Ärzte fürchten um Verträge

Politik / 02.11.2016 • 22:34 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Zentren für Primärversorgung: Umstrittene Antwort auf Pensionswelle bei Kassenärzten.

Wien. Es ist gut möglich, dass ein Patient mehrere Monate auf einen Termin bei seinem Kassen-Facharzt warten muss. Noch schwerer wiegt allerdings, dass die Zahl der Vertragsärzte in den kommenden zehn Jahren deutlich sinken könnte. Knapp die Hälfte von ihnen werde bis dahin das Pensionsantrittsalter erreicht haben, berichtet der Vorarlberger Ärztekammerpräsident Michael Jonas den VN. Gleichzeitig aber sei deren Nachfolge nicht gesichert. Schließlich seien Jung­ärzte international begehrt. Auch wollten sich nur wenige auf einen einzigen Ort fixieren oder nach den straffen Vorgaben der Krankenkassen arbeiten. Dies sei auch ein Grund dafür, warum die Zahl der Wahlärzte in den vergangenen zehn Jahren mit 20 Prozent stärker gestiegen ist als jene der Kassenärzte (plus acht Prozent). 

Die Primärversorgungszentren sollen nun Abhilfe leisten, sagt Gesundheitslandesrat Christian Bernhard (ÖVP); weil sie erstens die Ambulanzen entlasten und zweitens flexiblere Beschäftigungsstrukturen ermöglichen können. 200 Millionen Euro sollen bis 2020 in ihren österreichweiten Ausbau investiert werden. Darauf haben sich Bund und Länder im Zuge der Finanzausgleichsverhandlungen geeinigt.

Kritik an der Umsetzung

Primärversorgungszentren sind Zusammenschlüsse von Allgemeinmedizinern mit Pflegern und Therapeuten. Sie können als Gruppenpraxis oder als Ambulatorium geführt werden. Mehr und flexiblere Zusammenarbeit sei gut. Dies dürfe aber nicht auf Kosten der Kollektivverträge gehen, äußert Jonas Bedenken. Schließlich sei geplant, dass Krankenkassen die Zentren willkürlich und unter Umgehung der Kammern in Vertrag nehmen können. Dies könne über Umwege die bestehenden Gesamtverträge kappen.

Der Präsident der österreichischen Ärztekammer, Arthur Wechselberger, hat bereits resigniert. Er erklärte am Mittwoch, dass es keinen Sinn mehr mache, die Gespräche zu den Primärversorgungszentren fortzusetzen. Das Gesundheitsressort hingegen hält an den Verhandlungen fest. Man sei keineswegs gescheitert, sondern befinde sich mit dem Koalitionspartner in Abstimmung. Danach würden weitere Gespräche, auch mit der Ärztekammer, stattfinden.

Das wird nicht nur zur Primärversorgung nötig sein. So kritisiert die Ärztekammer auch, dass die 48-Stundenwoche wieder aufgeweicht werden könnte. Ebenso würde die Rückerstattung der Wahlarztkosten in leisen Schritten abgeschafft. Landesrat Bernhard widerspricht. Außerdem spricht er sich bei so komplizierten Themen gegen öffentliche Zwischenrufe aus. Er wünscht sich, dass alle Beteiligten wieder zu einem vernünftigen Miteinander kommen.