Ein überraschendes Comeback

Politik / 21.11.2016 • 22:53 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Dem 62-jährigen Fillon gelang bei den Vorwahlen der Konservativen ein Erdrutschsieg. Foto: AFP
Dem 62-jährigen Fillon gelang bei den Vorwahlen der Konservativen ein Erdrutschsieg. Foto: AFP

Fillon gilt nach erstem Vorwahl-Sieg als Favorit für das Präsidentenamt in Frankreich.

paris. Der frühere Premierminister François Fillon ist nach dem Ausscheiden von Ex-Staatschef Nicolas Sarkozy Hoffnungsträger der französischen Konservativen für den Präsidentenposten. Am kommenden Sonntag trifft der 62-Jährige in der entscheidenden Abstimmung über die Kandidatur des bürgerlichen Lagers auf Konkurrent Alain Juppé (71). Fillon liegt nach seinem unerwartet souveränen Sieg im ersten Wahlgang einer am Montag veröffentlichten Umfrage zufolge auch für die Stichwahl in Führung. Über Monate hinweg hatten Umfragen ein Duell zwischen Juppé und Sarkozy vorhergesagt.

Die französischen Konservativen küren ihren Bewerber erstmals mit einer offenen Vorwahl, an der alle Anhänger teilnehmen können. Ex-Präsident Sarkozy war im ersten Wahlgang am Sonntag mit gut 20 Prozent der Stimmen ausgeschieden und muss seinen Traum einer Rückkehr in den Élyséepalast begraben. „Es ist Zeit für mich, ein Leben mit mehr privater und weniger öffentlicher Leidenschaft zu beginnen“, kündigte er seinen Abschied aus der Politik an. Am Sonntag wolle er Fillon unterstützen.

Dieser hatte die erste Runde der Vorwahlen mit gut 44 Prozent der Stimmen eindeutig für sich entschieden. Der Zweitplatzierte frühere Regierungschef Juppé lag nach Auszählung der meisten Wahllokale bei etwas über 28 Prozent. Insgesamt beteiligten sich mehr als vier Millionen Wähler an der Abstimmung am Sonntag.

Für die Stichwahl zeichnet sich derzeit ebenfalls ein Vorteil für Fillon ab. Meinungsforscher des Instituts OpinionWay befragten mehr als 3000 Menschen, die an der Wahl teilgenommen hatten. 18 Prozent von ihnen benannten keinen Favoriten für die zweite Runde – bei den übrigen kam Fillon auf 56 Prozent, Juppé auf 44 Prozent. Umfragen für die Vorwahl sind laut Experten aber mit großer Unsicherheit behaftet.

Dem Sieger werden gute Chancen für die Präsidentenwahl im kommenden Frühjahr ausgerechnet. Umfragen lassen zum aktuellen Zeitpunkt ein Duell zwischen der Rechtspopulistin Marine Le Pen von der Front National (FN) und dem konservativen Bewerber erwarten. FN-Vertreter warfen Fillon am Montag bereits die Bilanz seiner Zeit als Premierminister unter Präsident Sarkozy (2007-2012) vor. Ob der schwer angeschlagene sozialistische Amtsinhaber François Hollande noch einmal antritt, bleibt weiterhin unklar.