Anis Amri in Italien erschossen

Politik / 23.12.2016 • 22:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein Bruder Amris zeigt ein Proträt des Getöteten.  Foto: AFP
Ein Bruder Amris zeigt ein Proträt des Getöteten.  Foto: AFP

Terrorverdächtiger von Berlin stirbt durch eine Polizeikugel in Mailand. IS veröffentlicht Video.

berlin, rom. (VN) Der mutmaßliche Attentäter von Berlin ist tot. Der 24-jährige Tunesier Anis Amri ist in der Nacht auf Freitag nach einer Polizeikontrolle bei Mailand erschossen worden. Das berichtete der italienische Innenminister Macro Minniti am Freitag in Rom. Der Verdächtige habe „ohne zu zögern“ seine Waffe gezogen und gefeuert, nachdem Polizeibeamte seine Papiere sehen wollten. Daraufhin starb er im Schusswechsel. Der deutsche Generalbundesanwalt Peter Frank bestätigte den Tod Amris.

Suche nach Komplizen

Die Ermittlungen zum Lastwagen-Anschlag auf den Weihnachtsmarkt mit zwölf Todesopfern gingen aber weiter, sagte Frank. Es gelte nun herauszufinden, ob es „bei der Tatvorbereitung, bei der Tatausführung und auch bei der Flucht des Gesuchten ein Unterstützernetzwerk, ein Helfernetzwerk, ob es Mitwisser oder Gehilfen gab“. Auch sei von Interesse, „ob die Waffe, die bei Amri in Mailand gefunden wurde, die Tatwaffe von Berlin ist“.

Nach Amri war seit Donnerstag europaweit per Haftbefehl gefahndet worden. Der Verdächtige soll mit dem Zug über Frankreich nach Italien gefahren sein. Am Bahnhof Sesto San Giovanni bei Mailand begegnete er gegen 3.30 Uhr jenen beiden Polizisten, die ihn schließlich beim Schusswechsel töteten. Ein Polizist wurde leicht verletzt.

Am Montagabend war ein wahrscheinlich gestohlener Lastwagen in eine Menschenmenge beim Weihnachtsmarkt nahe der Gedächtniskirche gerast. Zwölf Menschen starben, darunter auch der polnische Fahrer des Lkw. Er war mit einer kleinkalibrigen Waffe erschossen worden. Rund 50 Menschen wurden verletzt. Die Ermittler entdeckten Amris Fingerabdrücke mehrfach an dem Lkw. Zuvor waren im Führerhaus seine Duldungspapiere gefunden worden.

Amris Mutter und Geschwister stellten nach Angaben der Nachrichtenagentur AP die Anschuldigungen infrage, dass der 24-Jährige wirklich der Attentäter sei. Sein Bruder Abdelkader sagte demnach am Freitag zu AP, seine Familie wolle die Wahrheit über seinen Bruder herausfinden. Der 2015 über Freiburg nach Deutschland eingereiste Tunesier war in Italien und seinem Heimatland zu Haftstrafen verurteilt worden. Die deutschen Behörden hatten den 24-Jährigen monatelang als islamistischen „Gefährder“ auf dem Radar. Seine Abschiebung scheiterte an fehlenden Papieren aus Tunesien.

Nach Informationen der dpa aus Sicherheitskreisen haben marokkanische Sicherheitsbehörden ihre deutschen Kollegen bereits im September und Oktober vor den Anschlagsplänen des 24-Jährigen gewarnt.

Dem IS die Treue geschworen

Das Sprachrohr der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), Amak, veröffentlichte am Freitag ein Video, auf dem Amri zu sehen sein soll. In der Aufnahme schwört Amri dem IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi die Treue. Die Echtheit des Videos konnte zunächst nicht bestätigt werden.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kündigte eine rasche Überprüfung an, „inwieweit staatliche Maßnahmen verändert werden müssen“ und drängte auf schnellere Abschiebungen nach Tunesien. Das Thema sei Gegenstand eines Telefonats mit dem tunesischen Präsidenten Beji Caid Essebsi gewesen. Die Kanzlerin betonte: „Unsere Demokratie, unser Rechtsstaat, unsere Werte, unsere Mitmenschlichkeit – sie sind der Gegenentwurf zur hasserfüllten Welt des Terrorismus. Und sie werden stärker sein als der Terrorismus.“

Unsere Werte werden stärker sein als der Terrorismus.

Angela Merkel
Berliner gedenken der Opfer des Anschlags. Foto: dpa
Berliner gedenken der Opfer des Anschlags. Foto: dpa
Der mutmaßliche Attentäter eröffnete beim Bahnhof Sesto San Giovanni das Feuer auf Polizeibeamte. Er starb im Schusswechsel. Foto: AFP
Der mutmaßliche Attentäter eröffnete beim Bahnhof Sesto San Giovanni das Feuer auf Polizeibeamte. Er starb im Schusswechsel. Foto: AFP