Gülen-kritischer Autor in Istanbul festgenommen

Politik / 29.12.2016 • 22:40 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Dem Autor Ahmet Sik wird „Terrorpropaganda“ vorgeworfen. ap
Dem Autor Ahmet Sik wird „Terrorpropaganda“ vorgeworfen. ap

In der Türkei gehen die Repressalien weiter. Journalist in Haft. Prozess gegen Autorin.

istanbul. (VN) „Ich werde festgenommen“, meldete der türkische Journalist und Buchautor Ahmet Sik am Donnerstag via Twitter. Vorgeworfen wird Sik die Verbreitung von „Terror-Propaganda“, teilten die Justizbehörden und die türkische Polizei mit. Er soll in Beiträgen für die oppositionelle Tageszeitung „Cumhuriyet“ türkische Geheimdienste kritisiert und Twitter-Kurzbotschaften über die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) verbreitet zu haben.

Der investigative Journalist und Autor gehört zu den prominentesten Kritikern der Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen, den Staatschef Recep Tayyip Erdogan für den Putschversuch im Juli verantwortlich macht. Siks Buch „Die Armee des Imam“ wurde 2011 noch vor der Veröffentlichung verboten, er selber saß ein Jahr lang in Untersuchungshaft. Sik kritisiert aber auch die jahrelange Förderung Gülens durch die Regierungspartei AKP und vor allem durch Erdogan bis zum öffentlichen Bruch 2013.

Unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit hat am Donnerstag in Istanbul der Prozess gegen die türkische Autorin Asli Erdogan und acht weitere Angeklagte begonnen. Den Angeklagten wird Mitgliedschaft in der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK vorgeworfen. Ihnen droht lebenslange Haft. Hintergrund ist deren Tätigkeit für die inzwischen geschlossene pro-kurdische Zeitung „Özgür Gündem“. Die Behörden sehen das Blatt als Sprachrohr der PKK. 

Kritik an Justiz

Menschenrechtler von Human Rights Watch (HRW) kritisierten die türkische Justiz vor Prozessauftakt scharf und warfen den Behörden „Missbrauch des Strafrechts auf Kosten der freien Meinungsäußerung“ vor.