IS bekennt sich zum Anschlag

Politik / 02.01.2017 • 22:34 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Videobilder des Angriffs zeigen, wie der unbekannte Täter vor dem Eingang in der Nobeldisco mit einem Gewehr schießt. Foto: afp
Videobilder des Angriffs zeigen, wie der unbekannte Täter vor dem Eingang in der Nobeldisco mit einem Gewehr schießt. Foto: afp

Terrorattacke auf Istan­buler Nachtklub war Vergeltung für Militäreinsatz in Syrien.

istanbul. (VN) Zu dem Anschlag in der Silvesternacht auf den Nachtklub „Reina“ in Istanbul hat sich die Extremistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) bekannt. Der Schütze sei ein „heldenhafter Soldat des Kalifates“, erklärte der IS am Montag über den Messaging-Dienst Telegram. Seitens der türkischen Behörden gab es dazu zunächst keine Stellungnahme.

Währenddessen hat die türkische Polizei im Rahmen der Ermittlungen zu dem Anschlag acht Verdächtige festgenommen. Der flüchtige Angreifer sei jedoch nicht unter ihnen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Die Festgenommenen sollten im Polizeihauptquartier in Istanbul verhört werden.

Gezielte Kopfschüsse

Bei dem Anschlag wurden laut der „Hürriyet Daily News“ viele der Opfer durch gezielte Kopfschüsse getötet. Insgesamt habe der Attentäter mehr als 180 Schüsse abgegeben und dabei sechs Mal das Magazin gewechselt. Die Zeitung beruft sich auf Ermittler, die Videobilder des Angriffs in der Nobeldisco ausgewertet hatten. Demnach traf der unbekannte Täter, der ein grünes Hemd, dunkle Hosen und schwarze Stiefel trug, mit einem Taxi aus dem Istanbuler Stadtteil Zeytinburnu ein. Wegen des dichten Verkehrs in Ortaköy, wo der Klub liegt, sei er ausgestiegen und die letzte Strecke zu Fuß gelaufen. Um 01.20 Uhr wurde er dabei gefilmt, wie er einen Polizisten und einen Zivilisten vor dem Eingang mit einem Gewehr erschoss. Dann ging er im „Reina“ zunächst nach oben, bevor er in das untere Stockwerk zurückkehrte. Laut Augenzeugen tötete er auch am Boden liegende Menschen durch Kopfschüsse. Schließlich sei er in die Küche gegangen, wo er rund 13 Minuten geblieben sei, die Kleidung gewechselt und seinen Mantel zurückgelassen habe.

Keine Spur vom Täter

Dem Bericht zufolge entkam der Mann, der angeblich aus Usbekistan oder Kirgistan stammen soll, in der allgemeinen Panik nach dem Angriff unerkannt. Von ihm fehlte zunächst noch jede Spur.

Bei dem Anschlag wurden 39 Menschen getötet und 69 weitere verletzt. Unter den Opfern waren 27 Ausländer, die meisten aus arabischen Staaten. Österreicher sind keine unter ihnen.

Nachdem die Türkei in Syrien und im eigenen Land massiv gegen den IS vorgeht, geht die Regierung von einem Vergeltungsschlag aus.

Angehörige des Security-Mitglieds Fatih Cakmak, der beim Anschlag im Nachtklub „Reina“ ums Leben gekommen ist, trauern beim Begräbnis am Montag.  Foto: AFP
Angehörige des Security-Mitglieds Fatih Cakmak, der beim Anschlag im Nachtklub „Reina“ ums Leben gekommen ist, trauern beim Begräbnis am Montag. Foto: AFP