Bildungsreform in den Startlöchern

Politik / 09.01.2017 • 22:37 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Wissen und Inhalte um Hasspostings und Cybermobbing als Unterrichtsthemen.  Foto: vn/HB
Wissen und Inhalte um Hasspostings und Cybermobbing als Unterrichtsthemen. Foto: vn/HB

Ambitionierte Pläne: Ganztagsschule, Autonomiepaket und mehr digitale Kompetenz.

St. Pölten. Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) will beim Autonomiepaket bald einen Grundkonsens erreichen. „Mein Ziel ist es, bis Ende Jänner einen über weite Strecken abgestimmten Begutachtungsentwurf zu haben“, sagte sie bei einem Pressegespräch am Montag. Zudem sollen Kinder und Jugendliche künftig digitale Kompetenzen in der Schule lernen.

Im Rahmen des Autonomie-Pakets sollen die ersten Standorte mit dem Schuljahr 2017/18 starten. Danach sollen Schulen ihre Erfahrung via „Peer-Learning-System“ an andere Standorte weitergeben, erklärte Hammerschmid.

Es handle sich um ein „Möglichkeitspaket“, das u.a. Pädagogen neue Möglichkeiten für themen- und projektspezifischen Unterricht geben solle, betonte die Bildungsministerin. Zudem sollen Schulstandorte selbst über die Dauer einer Unterrichtseinheit bestimmen und sich mehrere Schulen aus einer Region zu Clustern zusammenschließen können. Insgesamt betrifft das Paket laut Hammerschmid 32 Gesetze und 400 Verordnungen.

Ganz genau ansehen will sich die Vorarlberger Schullandesrätin Bernadette Mennel (57) den Begutachtungsentwurf des Autonomiepakets. Den angedachten Schulclustern, welche den verwaltungsmäßigen Zusammenschluss von mehreren Schulen einer Region vorsehen, steht Mennel fürs Erste skeptisch gegenüber. „Ganz sicher wollen wir nicht, dass identitätsstiftende Kleinschulen, die in einem Dorf zudem eine soziale Funktion haben, verschwinden“, macht Mennel gegenüber den VN deutlich.

Digitale Kompetenzen

In puncto Digitalisierung sollen Kindern und Jugendlichen künftig in der Schule digitale Kompetenzen vermittelt werden. Es gehe um den Umgang mit Wissen und Content im Internet, um Themen wie Cybermobbing und Hasspostings, so die Ministerin. Schüler sollen mit Handwerkszeug für kritisches Hinterfragen und ethische Reflexion ausgestattet werden, erklärte Hammerschmid, die Ende Jänner eine Gesamtstrategie zur Digitalisierung ab der Volksschule präsentieren will. Dabei gehe es auch um Infrastruktur, Lernmaterialien und Fort- und Weiterbildung von Pädagogen.

Beim Ausbau der Ganztagsschulen gehe es nun an die Umsetzung, so Hammerschmid. Der Nationalrat hat im Dezember eine Förderung von insgesamt 750 Millionen Euro ab dem Schuljahr 2017/18 bis 2024/25 beschlossen. Wichtig sei die „qualitätsvolle Gestaltung“ des Angebots – in Form von Nachmittagsbetreuung oder der Verschränkung von Unterricht, Lern-, Ruhe- und Freizeitphasen. Bis 2025 soll jeder Schüler im Umkreis von 20 Kilometern zum Wohnort einen Platz in einer Ganztagsschule finden.

Unterschiedliche Reaktionen

Das Digitalisierungspaket mit den formulierten Zielen findet auch Landesrätin Bernadette Mennel gut. Den geplanten Ausbau der Ganztagsbetreuung will das Land mit einer breit angelegten Informationskampagne für die Eltern einleiten.

„Natürlich gibt es Handlungsbedarf beim Umgang mit dem Internet, insofern liegt Bildungsministerin Hammerschmid auch richtig, wenn sie diesbezüglich aktiv wird. Nur die ‚digitalen Kompetenzen’ zu stärken, anstatt zuerst ‚Politische Bildung‘ massiv zu forcieren, halte ich für den verkehrten Ansatz“, kommentiert indes Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen. Es brauche „im Schulwesen endlich eine Gesamtreform statt ständig nur Reförmchen“, so Walser in einer Aussendung weiter.