Unter Präsident Trump gilt: Amerika zuerst

20.01.2017 • 21:18 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Republikaner legte auf den Stufen des Kapitols in Washington seinen Amtseid ab.  foto: afp
Der Republikaner legte auf den Stufen des Kapitols in Washington seinen Amtseid ab. foto: afp

Donald Trump zieht ins Weiße Haus ein. In seiner Antrittsrede appelliert er an den Nationalstolz der Amerikaner.

washington. (VN) Die Vereinigten Staaten haben einen neuen Präsidenten: Donald Trump wurde am Freitag zum 45. Präsidenten der wohl wichtigsten Demokratie der Welt angelobt. Der Oberste Verfassungsrichter der USA, John Roberts, nahm dem 70-Jährigen am Mittag auf den Stufen des Kapitols seinen Amtseid ab. Dabei schwor der Republikaner auf zwei Bibeln: auf seine eigene und auf die des historischen Präsidenten Abraham Lincoln. Trump löst den Demokraten Obama ab, den ersten afroamerikanischen Präsidenten der USA. Er war acht Jahre lang im Amt.

Neue Vision

In seiner Antrittsrede kündigte Trump an, jede seiner Entscheidungen ganz und gar an US-Interessen auszurichten. „Von heute an wird eine neue Vision unser Land regieren. Von heute an wird es nur ‚Amerika zuerst‘ sein“, sagte der 70-Jährige. Jede Entscheidung werde dieser Maxime gehorchen, ob in der Wirtschaft oder der Außenpolitik.

„Wir haben andere Länder reich gemacht“, während eine Fabrik nach der anderen in den USA geschlossen habe, sagte der neue Präsident. Die USA hätten die Grenzen anderer Länder geschützt und dabei vergessen, die eigenen zu schützen. „Aber das ist Vergangenheit. Und jetzt schauen wir nach vorne.“ Mehrmals appellierte Trump an den Patriotismus der Amerikaner. Ein neuer Nationalstolz werde die Wunden des Landes heilen, erklärte er. „Wir bluten alle dasselbe rote Blut der Patrioten.“

Dem islamistischen Terror sagte Trump den Kampf an. „Wir werden die zivilisierte Welt gegen den radikal-islamistischen Terror vereinen, der völlig vom Antlitz der Erde verschwinden wird.“ Trump hatte sich im Wahlkampf dafür ausgesprochen, die Zuwanderung aus überwiegend muslimisch geprägten Ländern einzuschränken. Zeitweise sprach er sogar von einem kompletten Einreiseverbot für Muslime. Sein zukünftiger nationaler Sicherheitsberater Michael Flynn sieht die USA in einem Krieg mit dem radikal-islamischen Terrorismus.

Kritik am Establishment

Auch kündigte der neue Präsident einschneidende Veränderungen in Washington an. Zu länge hätten Politiker und das Establishment profitiert, nicht aber die einfachen Leute. „Wir übergeben die Macht von Washington DC zurück an euch, das Volk“, betonte er.   Vor Trump war bereits sein Vize Mike Pence vereidigt worden. Eine Parade führte den neuen Staatschef am Nachmittag vom Kapitol zum Weißen Haus. Der offizielle Teil des Tages endete mit dem Besuch dreier Bälle.

Die Hauptstadt Washington glich am Freitag einer Hochsicherheitszone. Polizisten und Soldaten der Nationalgarde sicherten die Straßen ab, Kreuzungen wurden zum Teil mit Bussen blockiert. Im Zentrum versammelten sich zahlreiche Demonstranten. Sie trugen Schilder mit Aufschriften wie „Feminismus gegen Faschismus“ oder „Rassismus existiert noch immer in Amerika“. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei, viele Menschen wurden festgenommen.

Der Immobilienunternehmer Trump war im Sommer 2015 in den Wahlkampf eingestiegen. Als Außenseiter gestartet, dominierte der Milliardär trotz Dauerkritik Debatten und Vorwahlen und wurde schließlich im Sommer 2016 Kandidat der republikanischen Partei. Bei der Wahl am 8. November setzte er sich überraschend gegen die Demokratin Hillary Clinton durch. Die 69-Jährige saß bei der Amtseinführung ihres einstigen Konkurrenten im Publikum.