Trump’s World

25.01.2017 • 21:44 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Als Trumps Großvater 1885 aus Deutschland in die USA einwanderte, hieß er noch Friedrich Drumpf. Daraus wurde alsbald Frederick, dann Fred Trump, der sich unter anderem als erfolgreicher Bordellbesitzer im Wilden Westen durchschlug. „Trump“ lässt sich auf das mittelhochdeutsche „Trumpe“ (Trompete oder Trommel) zurückführen. Nomen est omen, der Name ist Programm: Der Mann, der mit seiner strohblonden Mähne und seiner dominierenden Gestalt ein wahres Geschenk für sämtliche Karikaturisten des Erdballs ist, trommelt und trompetet unablässig, was ihm gerade einfällt, und das ist zumeist das genaue Gegenteil dessen, was die Trompete eben erst gerade hinausposaunt hatte. Dass er sich beim Inaugurationsball, zu Frank Sinatras berühmtem „I did it my way“, mit einem maliziösen Lächeln an die Kameras und damit an die Weltöffentlichkeit wandte, hatte starken Symbolcharakter: Trump wird es „auf seine Art“ tun – ohne Rücksicht auf Verluste.

 

Denn Trumps Ego hat die Dimensionen des Empire State Building, er twittert, was das Zeug hält, verstrickt sich pausen- und skrupellos in Widersprüche und wird dadurch völlig unberechenbar. So bringt er nicht nur sämtliche Politiker weltweit zur Verzweiflung, die nicht wissen, was sie von Trump zu erwarten haben, sondern, laut „New York Times“, selbst seine engsten Berater. Regierungsbeamte in Washington sprechen hinter vorgehaltener Hand von einer Mischung aus Überheblichkeit und Naivität bei ihrem neuen Chef. Den Antrittsbonus eines jedes US-Präsidenten hat Trump geradezu kindisch verspielt, indem er sich gleich zu Beginn auf die sinnlose Diskussion eingelassen hat, ob denn nun „seine“ oder Obamas Volksmenge bei der Amtseinsetzung größer gewesen sei – die nebeneinander gestellten Luftaufnahmen bedurften allerdings keines weiteren Kommentars. Töricht Trumps Kriegserklärung an die Medien, die doch letztlich (er müsste es inzwischen wissen) immer das letzte Wort haben – und schlichtweg dumm die Einsetzung eines derart widerlichen Pressesprechers. Trumps Antrittsrede war zwar zugegebenermaßen brillant – aber leider fast wörtlich abgekupfert (passenderweise von jener des bösartigen Demagogen namens Bane in Christopher Nolans Film „The Dark Knight Rises“, 2012); außerdem eine zynische Verhöhnung seiner Wähler, wenn der Milliardär Trump sich mit seinesgleichen umgibt und zugleich großspurig ankündigt, nunmehr die Unterprivilegierten an die Macht zu katapultieren.

 

Zugegeben, Trumps Unterhaltungswert ist beträchtlich, und selbst ich ertappe mich dabei, nun plötzlich mehr Zeit denn je vor dem Fernsehschirm zu verbringen. Doch Achtung: Das ist keine TV-Reality-Show, das ist Reality selbst. Und wir alle könnten sie bald zu spüren bekommen. Am Davoser World Economic Forum war Trump natürlich neben Brexit das Hauptthema, und einer der prominentesten Teilnehmer am WEF, Professor Dennis Snower, Präsident des renommierten Kieler Instituts für Weltwirtschaft, fürchtet dank Trump einen Rückfall in die Dreißigerjahre des letzten Jahrhunderts mit Protektionismus, Popularismus, allgemeinem Rechtsruck und am Ende einer Weltwirtschaftskrise. Dass am Tag nach der Amtseinsetzung Trumps in Koblenz die vier Rechtsaußen Europas, von Harald Vilimsky über Geert Wilders, Marine le Pen bis zu Frauke Petry gemeinsam unter dem Motto „Gestern ein neues Amerika, morgen ein neues Europa“ triumphierten, war nicht nur die europäische Variante von Trumps Triumph – es ist ein Fanal für „Trump‘s World“, wie sie uns alle erwartet.

Das ist keine TV-Reality-Show, das ist Reality.

charles.ritterband@vn.at
Dr. Charles E. Ritterband ist Journalist und Autor sowie langjähriger
Auslandskorrespondent der Neuen Zürcher Zeitung (seit 2001 in Wien).