Islamistische Szene wird auch in Österreich größer

Politik / 27.01.2017 • 22:36 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Polizei hat mehrere Personen festgenommen.  FOTO: APA
Die Polizei hat mehrere Personen festgenommen.  FOTO: APA

Politologe spricht von einer Minderheit, die im Wachsen begriffen ist.

Wien. (VN-ebi) Immer mehr Menschen liebäugeln in Österreich mit dem politischen Salafismus. Der Trend, dass die islamistische Szene innerhalb der Republik wächst, hält an, berichtet Politologe Thomas Schmidinger den VN. Österreichweit würden sich im politisch-salafitischen Kreis ein paar Tausend Personen bewegen, im dschihadistischen ein paar Hundert. „Es ist eine kleine Minderheit, die im Wachsen begriffen und sehr differenziert ist“, sagt Schmidinger. Auch Vorarlberg sei von dieser Entwicklung nicht ausgenommen. Die Behörden hätten zwar nicht jeden Einzelnen, aber die Strukturen gut im Blick. Innenminister Wolfgang Sobotka berichtete den VN etwa von sechs Personen, die aus dem westlichsten Bundesland in den Dschihad gezogen sind, drei davon seien ziemlich sicher verstorben. Von einer Person fehle jede Spur, sie stehe auf der Fahndungsliste. In Vorarlberg selbst befindet sich ein Gebetshaus im Bezirk Feldkirch unter Beobachtung. Zuletzt haben im November Koranverteilungen der umstrittenen „Lies!“-Kampagne für Aufregung gesorgt. Hinter der Aktion in Bregenz wird ein salafitischer Verein vermutet. Ein Verbot von Verteilungsaktionen sei aber nur schwierig umzusetzen, zumal das Problem nicht am Koran selbst, sondern an den Gruppen liege, die hinter der Kampagne stecken, sagt Schmidinger. Bei einem Verbot müsste jede Form religiöser Werbung untersagt werden, auch zum Beispiel jene der Zeugen Jehovas. Dies würde sonst dem Gleichheitsgrundsatz widersprechen. Ebenso könnte ein Verbot die Propaganda dschihadistischer Gruppen befeuern. „Das ist ein Dilemma“, sagt der Politologe.

Dass die Radikalisierten immer jünger werden, glaubt Schmidinger nicht: „Der Pulk der Radikalisierungsbiografien war immer ab 15 Jahren bis Mitte 20. Einzelne Ausreißer gibt es natürlich.“ Auch würde Schmidinger nicht von einem Massenphänomen sprechen, wenngleich es unbestritten sei, dass die Gefahr in Europa gestiegen ist: „Mittelfristig wäre sie aber noch größer geworden, wäre der IS in den Konfliktregionen weiterhin so erfolgreich geblieben.“