13.000 im Gefängnis hingerichtet

Politik / 07.02.2017 • 23:03 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Präsident Assad übt Kritik an der Syrien-Politik der EU. reuters
Präsident Assad übt Kritik an der Syrien-Politik der EU. reuters

Amnesty International schildert grausame Zustände in „Schlachthaus“ in Syrien. Assad kritisiert die EU.

damaskus. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wirft der syrischen Regierung Massenhinrichtungen vor. Im Gefängnis Saidnaja nördlich von Damaskus seien bis zu 13.000 Menschen getötet worden. Zwischen 2011 und 2015 seien dort pro Woche Gruppen von 20 bis 50 Menschen gehängt worden.

Die Tötungen, die Amnesty als „kalkulierte Aktion außergerichtlicher Hinrichtungen“ bezeichnete, seien durch Stellvertreter des Präsidenten Baschar al-Assad und andere hochrangige Regierungsvertreter gebilligt worden. Darüber hinaus erfasste die Organisation mindestens 35 verschiedene Methoden, mit denen Gefangene in Syrien seit den späten 1980er-Jahren gefoltert worden sein sollen. In seinem Bericht beruft sich Amnesty auf Interviews, die mit 31 früheren Insassen und mehr als 50 Behördenvertretern, wie ehemaligen Wärtern und Richtern, geführt wurden. Die Zahlen seien hochgerechnet, die Hinrichtungen ohne Gerichtsverfahren erfolgt. Vor dem Tod habe es lediglich ein bis zwei Minuten dauernde Scheinprozesse gegeben, sage die Amnesty-Mitarbeiterin Lynn Maaluf der Nachrichtenagentur AP. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass die Praktiken in syrischen Gefängnissen seitdem geändert wurden. Tausende weitere Menschen seien vermutlich getötet worden.

„Der Tod war das Einfachste“

Laut Amnesty ist das Gefängnis im Norden von Damaskus unter Inhaftierten als „Schlachthaus“ bekannt. Ein früherer Gefängnisinsasse, Omar Alschorge, sagte der AP, dass sich viele den Tod gewünscht hätten. „Der Tod war das Einfachste. Er wurde erhofft, weil er uns eine Menge erspart hätte: Hunger, Durst, Angst, Schmerz, Kälte, Gedanken“, sagte Alschorge. Er selbst habe sich 2015 freikaufen können und lebt jetzt in Schweden.

Syrische Regierungsvertreter kommentieren Vorwürfe zu Folter und Massenhinrichtungen selten. Berichte, nach denen Regierungstruppen im Bürgerkrieg Massaker verübt haben sollen, haben sie als Propaganda durch Aktivisten zurückgewiesen.

EU soll Syrien-Politik ändern

Präsident Assad kritisierte derweil die EU. Er sagte am Dienstag, er wolle nicht, dass die EU eine Rolle beim Wiederaufbau des Landes spiele, sollte sie nicht ihre Syrien-Politik ändern. EU-Staaten unterstützten Oppositionskämpfer, die in Syrien Zerstörung verursacht hätten, erklärte er in einem Interview mit belgischen Medien, von dem die syrische staatliche Nachrichtenagentur Sana am Dienstag einen Text veröffentlichte. „Sie können nicht gleichzeitig zerstören und aufbauen.“

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