Fremdschämen

Politik / 09.02.2017 • 22:42 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Es ist unfassbar. Auch nach vielen Jahrzehnten politischer Beobachtung hätte man das nicht für möglich gehalten. Der Vorarlberger Christian Benger bricht in Kärnten in unverantwortlicher Weise den unseligen Volksgruppenstreit wieder vom Zaun. Das Entsetzen in allen politischen Lagern ist groß. Was ist in den farblosen ÖVP-Politiker gefahren? Noch nie ist eine politische Meldung des schwarzen Landesrats über die Kärntner Landesgrenzen hinaus gedrungen. Und dann das.

Es schien, dass die Koalition aus Roten, Schwarzen und Grünen in Kärnten das zweisprachige Bundesland wieder vom Abgrund wegführt. Die Landesregierung war auf gutem Wege. Die neue Landesverfassung lag schon in Reichweite. Sie sollte die Kärntner deutscher und slowenischer Sprache friedlich vereinen. Christian Benger selbst hatte vor eineinhalb Jahren bekanntlich den entscheidenden Satz beigetragen: „Die Fürsorge des Landes und der Gemeinden gilt den deutsch- und slowenischsprachigen Landsleuten gleichermaßen.“

Der Bregenzer Christian Benger war bis zur Auflassung der Stella Matutina Jesuitenschüler in Feldkirch. Die Matura legte er dann am Gymnasium Blumenstraße in Bregenz ab. Er war Pfarrgemeinderat in Kärnten und arbeitete als studierter Forstwirt auch im Stift Heiligenkreuz. Er könnte nicht behaupten, dass er mit den unabdingbaren Grundsätzen für einen Christenmenschen in der Politik nie in Berührung gekommen wäre. In seinem aktuellen Handeln ist nichts davon zu spüren. Er will von seiner ursprünglich zugestandenen Gleichbehandlung der deutschsprachigen Kärntner und der Slowenen nichts mehr wissen. Er fürchtet angeblich, dass allein die Erwähnung der Slowenen in der Landesverfassung zu ihrer Bevorzugung führen würde. Das nimmt ihm niemand ab.

Selbst sein Bundesparteiobmann Reinhold Mitterlehner hat versucht, den ÖVP-Landesrat Benger wieder zur Vernunft zu bringen. Auch ihm ist es nicht gelungen. Im braunen Lodenjankerl hat der schwarze Vorarlberger in Kärnten erklärt, das sei einzig und allein ein Kärntner Problem. Da irrt Herr Benger aber gehörig. Das Zusammenleben der Volksgruppen ist in der Bundesverfassung geregelt. Jeder aufrechte Österreicher hat ein Interesse, dass es keine neuen Auseinandersetzungen gibt.

Das Vorgehen Bengers ist so unnötig wie ein Kropf. Selbst der am rechtesten Rand angesiedelte Andreas Mölzer ist dafür eingetreten, die Slowenen in die Landesverfassung aufzunehmen. Es sei nicht klug, die Sache wieder hochzukochen. Es gibt in der Politik Momente, in denen eine Umkehr unmöglich ist. Der Störenfried Benger ist in der Politik schlicht und einfach fehl am Platz. Vor ein paar Jahren haben sich die Vorarlberger zu Recht über die Kärntner Politik lustig gemacht. Nunmehr bleibt selbst vielen Kärntnern das Lachen im Halse stecken, wenn sie an ihren ÖVP-Landesrat aus Vorarlberg denken. Vielleicht sollten die schwarzen Funktionäre in Vorarlberg versuchen, ihren Gesinnungsbruder in Kärnten zum Rückzug zu bewegen. Er beschädigt nicht nur die Volkspartei, sondern mehr und mehr auch das Ansehen seines Herkunftslandes Vorarlberg.

Der Störenfried Benger ist in der Politik schlicht und einfach fehl am Platz. 

arnulf.haefele@vn.at
Arnulf Häfele ist Historiker und Jurist.
Er war langjähriges Mitglied des Vorarlberger Landtags.

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