Walgaukaserne braucht Nachschub bei Soldaten

Politik / 10.02.2017 • 22:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Doskozil präsentierte 500 Millionen Euro schwere Bauoffensive fürs Heer. Vorarlberg braucht weniger als ein Prozent davon.  FOTO: APA
Doskozil präsentierte 500 Millionen Euro schwere Bauoffensive fürs Heer. Vorarlberg braucht weniger als ein Prozent davon.  FOTO: APA

35 Prozent der Posten im Bataillon Bludesch offen. Kommandant hofft auf Wehrdiener.

Wien. Was für das Bundesheer lange Zeit als Fremdwort galt, wird jetzt zur Realität. Das österreichische Militär verzeichnet derzeit einerseits einen „Kaderansturm“, wie es Generalstabschef Othmar Commenda am Freitag bezeichnete. Andererseits startet es 2017 mit einer „Investitionsoffensive“. 115 Millionen Euro beträgt das Baubudget für dieses Jahr. Bis 2020 sollen es über 500 Millionen sein. Alle Bundesländer werden davon profitieren, wobei der Vorarlberger Anteil vergleichsweise klein ist.

Von den 115 Millionen Euro fließen 2017 insgesamt 300.000 in die Sanierung des Kommandogebäudes in Bregenz. Weitere 200.000 Euro würden in den kommenden Jahren folgen. Damit sollen die Unterkünfte der Stabskompanie renoviert und andere Sanierungsarbeiten vorgenommen werden. Auch ist ein elektronisches Schließsystem vorgesehen. Der Ausbau der Walgaukaserne in Bludesch sei ab 2019 vorgesehen, erläutert Michael Bauer vom Verteidigungsministerium. Dieser wird 3,5 Millionen Euro kosten. Zusätzliche Mannschaftsduschen, einige Zweibettzimmer und eine Indoor-Schießanlage sind vorgesehen.

Die insgesamt vier Millionen Euro, die bis 2020 in die Vorarlberger Heeresstruktur fließen, machen nicht einmal ein Prozent der Investitionen der österreichweiten Bauoffensive aus. Grund dafür sei, dass sich die Heeresgebäude im Land bereits in gutem Zustand befänden und es deutlich weniger Kasernen gebe, als dies zum Beispiel in Niederösterreich der Fall sei. Dort werden alleine 2017 über 29 Millionen Euro investiert. In Wien sind es rund 21 Millionen. 

„Wir müssen zukünftigen Mitarbeitern die entsprechende Infrastruktur anbieten“, erklärt Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ). Dabei verweist er sowohl auf das wachsende Kaderpersonal, als auch auf die Grundwehrdiener. Diese sollten nicht in verschimmelten Zimmern schlafen müssen, sagt er. Erfreulich sei, dass sich immer mehr Personen als Kadersoldaten bewerben. Als Beispiel nannte Doskozil die Zahlen von Jänner 2016 und 2017. Im ersten Monat des vergangenen Jahres haben sich demnach 170 Personen beworben, heuer waren es 405.

Stellen in Vorarlberg offen

Eine ähnliche Entwicklung erkennt der Vorarlberger Militärkommandant Ernst Konzett. Die Bewerberzahl im Land habe sich verdreifacht. Dennoch seien derzeit im Bataillon Bludesch 35 Prozent der Kaderstellen unbesetzt. Das sind rund 55 Arbeitsplätze. Hinzu kämen anstehende Pensionierungen, wodurch Neubesetzungen notwendig würden. Weitere 40 offene Posten fallen auf die vierte Kompanie, die in Bludesch eingerichtet werden soll. Wann diese vollständig besetzt sein wird, kann Konzett nicht sagen. Bis 2020 soll zumindest der Rumpf der Kompanie stehen, meint er. „Wir hoffen, dass der Hype um das Bundesheer anhält“, verweist der Militärkommandant auf die guten Bewerberzahlen. Die Rahmenbedingungen für die Soldaten – von der Laufbahn bis hin zur Bezahlung – seien bereits verbessert worden.

Auch für Grundwehrdiener wurden Maßnahmen gesetzt. Allerdings bleiben laut Konzett noch zu wenige Wehrpflichtige in Vorarlberg. Mehr als die Hälfte leiste ihren Präsenzdienst in Salzburg und Tirol. Konzett möchte es schaffen, diesen Trend umzudrehen. Das würde nicht nur die Einsatzkraft stärken, sondern auch mehr Nachwuchs für den Kader bringen. Das wird nötig sein. Schließlich sind mit 100 freien Stellen, die es im Vorarlberger Heer bis 2020 zu besetzen gilt, genügend Arbeitsplätze frei.

Die Bewerberzahl hat sich verdreifacht. Wir hoffen, dass der Hype ums Bundesheer anhält.

Ernst Konzett