Dünne Luft für Frauen in Führungspositionen

Politik / 12.02.2017 • 22:41 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Dünne Luft für Frauen in Führungspositionen

AK-Studie: Nur vier ATX-Konzerne erfüllen die von der Regierung geplante Quote.

Wien. Der Anteil der Frauen an der Spitze heimischer Großunternehmen steigt nur langsam, wie eine aktuelle Studie der Arbeiterkammer zeigt. Demnach erfüllt nur jedes zehnte börsennotierte Unternehmen schon jetzt die von der Regierung ab 2018 geplante Frauenquote im Aufsichtsrat. Noch schlechter vertreten sind Frauen in der Geschäftsführung.

Für den „Frauen Management Report 2017“ hat die Arbeiterkammer neben Geschäftsführung und Aufsichtsrat erstmals auch das mittlere Management unter die Lupe genommen. Ergebnis: Bei den Prokuristen der 200 größten Unternehmen sind 15,8 Prozent Frauen, in der Geschäftsführung sind es nur noch 7,2 Prozent und von den Vorstandsvorsitzenden sind überhaupt nur noch 3,6 Prozent Frauen. Co-Autorin Christina Wieser kritisiert daher, „dass mit jeder Stufe der Karriereleiter der Anteil der Frauen abnimmt“. Außerdem ist der Anteil der Frauen in den Geschäftsführungs-etagen seit 2007 nur um 2,2 Prozentpunkte gestiegen.

Die von der Regierung geplante Frauenquote soll aber nicht bei der Geschäftsführung, sondern in den Aufsichtsräten ansetzen. Hier ist der Frauenanteil schon jetzt höher, aber immer noch weit von der vorgesehenen 30-Prozent-Quote entfernt. In den 200 umsatzstärksten Unternehmen wurden laut AK zuletzt 326 von 1797 Aufsichtsratsmandaten von Frauen ausgeübt (18,1 Prozent). Ein Plus von 7,7 Prozentpunkten gegenüber 2007.

Von den 20 im ATX zusammengefassten Börsenschwergewichten erfüllen nur vier Konzerne die für 2018 geplante Frauenquote schon jetzt: Wienerberger, Erste, Post und Vienna Insurance Group. Fünf ATX-Konzerne – darunter Zumtobel – haben laut der Studie keine einzige Frau im Aufsichtsrat. 

Neos-Kritik an „Symbolpolitik“

Die Regierung will die Frauenquote für Aufsichtsräte im Juni beschließen, „nach Vorbild der deutschen Rechtslage“. Dort wird die Wahl eines männlichen Aufsichtsratsmitglieds für nichtig erklärt, wenn die Quote nicht eingehalten wird. Für die Neos  ist die Quote nichts anderes als Symbolpolitik. Die zuständige Abgeordnete Claudia Gamon kritisierte auch das zur Frauenpolitik aktualisierte Regierungsprogramm als schlechten Scherz. Nichts belege die Antriebslosigkeit der Regierung besser, als die Einführung einer Quote für Frauen in Aufsichtsräten. Man glaube, „durch staatliche Bevormundung Frauen in die Chefetagen der Nation zu bringen“. Dabei hake es doch schon viel früher; bereits beim allgemeinen Zugang zum Arbeitsmarkt seien Frauen benachteiligt. Auch würden die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen noch immer nur unwesentlich sinken.

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