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Häupl kämpft mehr denn je gegen seine Ablöse

von Johannes Huber
Häupls parteiinterne Kritiker werden immer zahlreicher. APA

Häupls parteiinterne Kritiker werden immer zahlreicher. APA

Wiens Bürgermeister ist mit Widerständen konfrontiert. Seine Zukunft ist offen.

Wien. (joh) Es war einmal eine ÖVP-Spezialität, Obleute in aller Öffentlichkeit zu demontieren. Mittlerweile hat sie dabei jedoch einen Mitbewerber. Und zwar die Sozialdemokratie: Hatten zahlreiche Genossen im vergangenen Mai schon den damaligen Kanzler
und Bundesparteivorsitzenden Werner Faymann aus dem Amt gedrängt, so droht dieses Schicksal jetzt auch noch dem Wiener Bürgermeister und Landesparteichef Michael Häupl.

Bisher hatte der 67-Jährige versucht, seine Kritiker mit ein paar flotten Sprüchen abzuservieren. Sie ließen sich jedoch nicht kleinkriegen und wurden immer zahlreicher: Auf einer Krisensitzung vor wenigen Wochen meinte auch ein altgedienter Abgeordneter, von dem das niemand erwartet hätte, dass es für Häupl an der Zeit wäre zu gehen. Spätestens da wusste er, wie ernst es für ihn geworden ist.

Dieser Tage haben sich außerdem zwei bemerkenswerte Dinge getan: Häupl bemüht sich auffallend stark, Kommunalpolitik zu machen und meldet sich plötzlich wieder zu alltäglichen Fragen wie dem Flughafen- und einem Museumsausbau zu Wort. Das hat er in der jüngeren Vergangenheit nicht mehr getan. Umso mehr wirkt es, als wolle er zeigen, dass er nach wie vor voll im Saft steht. Auf der anderen Seite läuft in sozialen Medien eine beispiellose Kampagne gegen seine Gegner: „Wer nix is und wer nix kann, patzt den Bürgermeister an“, heißt es da etwa über den ehemaligen Landespartei-Geschäftsführer Christian Deutsch, der Häupl seit Monaten zum Rücktritt auffordert. Zu Gerhard Schmid, der dies ebenfalls tut und der mit Faymanns Abgang Macht verlor, wird die Frage aufgeworfen, ob er dies nicht verkraftet habe: „Oder warum rülpst er seither?“

Das zeigt, dass Michael Häupl gar nichts in den Griff bekommen hat: Im Jänner hatte er die ärgsten Turbulenzen dadurch beizulegen versucht, dass er einen siebenköpfigen „Freundeskreis“ führender Genossen zur Lösung aller Konflikte einsetzte. Und zwar in Vorbereitung auf den Parteitag am 29. April, auf dem er sich bestätigen lassen möchte.

Ob ihm das gelingen wird, ist jedoch offen. Seine Widersacher, die gerne – und nicht zu Unrecht – als Anhänger einer rot-blauen Zusammenarbeit zusammengefasst werden, scharen sich um Wohnbaustadtrat Michael Ludwig. Dass er eines Tages zum Bürgermeister aufsteigen möchte, bezweifelt niemand. Eine Kampfabstimmung gegen Häupl schon in zwei Monaten würde er zwar schwer gewinnen, diesen damit aber ganz schön beschädigen. In seiner Not hat Häupl nach 22 Amtsjahren daher sicherheitshalber angefangen, einen Nachfolger aufzubauen, mit dem er leben könnte: Jürgen Czernohorszky, 39 und erst seit Jänner Bildungsstadtrat. Der gebürtige Burgenländer wird eher dem linken Flügel der Partei zugeordnet.

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