Blockadereflex

Politik / 20.03.2017 • 22:19 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) will hart bleiben. Die Eckpunkte des Autonomiepakets seien nicht verhandelbar. Schließlich hat sie sich lange genug mit dem Thema beschäftigt und bereits einige Male den Begutachtungsstart für die neuen Gesetzestexte verschoben. Obwohl es am Freitag endlich soweit war, ist die Zukunft der Schulautonomie aber keineswegs gewiss. Denn Hammerschmid hat die Rechnung ohne die Lehrergewerkschaft gemacht.

Der oberste Lehrervertreter Paul Kimberger warf der Ministerin sofort Respektlosigkeit vor. Sie wolle die Reform nicht nur gegen den Willen der Betroffenen umsetzen, sondern ignoriere die dringendsten Probleme in den Schulen. Tatsächlich ist es so, dass es mit dem Autonomiepaket kein zusätzliches Geld für neues Unterstützungspersonal geben wird. Ein Index, wonach Brennpunktschulen mehr Mittel erhalten sollen, ist zwar angedacht, aber keineswegs fix. Gleichzeitig bleibt der teure Verwaltungswulst zwischen Bund, Ländern und Gemeinden erhalten.

 

Das berechtigt die Lehrergewerkschaft jedoch nicht, auf stur zu schalten. Es ist anmaßend, der Ministerin fehlenden Respekt vorzuwerfen, wo diese doch auf die Erlaubnis der Lehrervertreter warten musste, um ihr Paket in Begutachtung schicken zu dürfen; zumal die Gewerkschaft vorab ihre Meinung dahingehend geändert hatte, inhaltlich noch lange kein grünes Licht geben zu wollen. Den Lehrervertretern missfällt schlichtweg das Paket. Die Proteste sind also programmiert. Ganz gleich, ob sich die Vorhaben nun in Begutachtung befinden oder nicht. Die Gewerkschaft bleibt damit ihrem alten Muster treu. Wieder einmal positioniert sie sich als Blockierer und bremst gegen die wohl – seit Langem – größte Strukturreform im österreichischen Bildungsbereich. Die Welt dreht sich aber weiter, auch jene, in der die Lehrer arbeiten. Die Rezepte von gestern sind für morgen nicht mehr die richtigen. Mehr Autonomie für die Standorte ist wichtig. Mehr Verantwortung für die Direktoren beziehungsweise Clusterleiter auch. Straffere Strukturen können Geld für Fortbildungen oder Personal freispielen. So viel sei festgehalten.

 

In einem haben die Lehrervertreter aber recht. Ihre täglichen Herausforderungen werden mit diesem Paket alleine nicht zu bewältigen sein. So gehören die Ausgaben pro Schüler im OECD-Vergleich weiterhin zu den höchsten, während Österreich bei den PISA-Ergebnissen nicht unbedingt brilliert. Zudem lassen sich weder die anstehenden Pensionierungen bei den Lehrern abstreiten, noch die neuen Anforderungen durch die Migration. Gleichzeitig braucht es Standorte, die sich an den unterschiedlichsten Berufsmodellen der Eltern orientieren. Und es sind klare Strukturen in der Schulverwaltung nötig. 

Das Autonomiepaket wird all diese Probleme nicht umfassend lösen können. Dennoch ist es wegweisend und der Blockadereflex der Lehrervertreter einfach falsch. Mittlerweile ist im Bildungssystem nämlich jede Veränderung besser als keine.

Den Lehrervertretern missfällt schlichtweg das neue Paket. Die Proteste sind also schon programmiert.

birgit.entner@vn.at, 01/3177834