Terroranschlag trifft das Londoner Zentrum

Politik / 22.03.2017 • 22:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Mindestens vier Tote und zahlreiche Verletzte bei Attentat vor dem Parlament.

london. (VN) Am Jahrestag der Anschläge von Brüssel hat ein tödlicher Angriff die britische Hauptstadt erschüttert. Vier Menschen kamen ums Leben, mindestens 20 weitere wurden verletzt. Die Polizei erklärte, sie gehe bis auf Weiteres von einem terroristischen Vorfall aus. Unter den Toten seien ein Polizist und der mutmaßliche Angreifer, sagte Terrorabwehrchef Mark Rowley. Beim Angreifer soll es sich um einen Einzeltäter handeln, die Ermittlungen laufen aber noch.

Wie Scotland Yard berichtete, raste ein Autofahrer am Mittwochnachmittag auf der Westminster-Brücke neben dem Parlament in mehrere Fußgänger, darunter drei Polizisten. Danach krachte das Fahrzeug in einen Zaun. Auf dem Parlamentsgelände griff der Mann dann einen Polizisten mit einem Messer an. Der Angreifer wurde von anderen Polizisten gestoppt, er starb an seinen Verletzungen. Auch der angegriffene Beamte überlebte die Attacke nicht.

„Katastrophale Verletzungen“

Luftaufnahmen zeigten mehrere Menschen, die auf der Westminster-Brücke lagen und behandelt wurden. Eine Frau stürzte von der Brücke in die Themse, Rettungskräfte konnten sie lebend bergen. Mehrere Opfer hätten „katastrophale Verletzungen“ erlitten, zitierte die Nachrichtenagentur PA einen Arzt aus dem St. Thomas Krankenhaus, das gegenüber dem Parlament auf der anderen Flussseite liegt. Unter den Verletzten sind mindestens drei französische Schüler. Die Jugendlichen aus Concarneau in der Bretagne seien auf Klassenfahrt in London unterwegs gewesen, meldete das französische Außenministerium. Hinweise, dass auch Österreicher betroffen sein könnten, gab es zunächst nicht. Man habe die österreichische Botschaft bereits kontaktiert, meldete das Außenamt.

Premierministerin Theresa May kündigte an, dass die Terrorwarnstufe in Großbritannien trotz des Doppelanschlags am Mittwoch nicht erhöht wird. Nach einer Sitzung mit ihrem Sicherheitskabinett am Abend im Regierungssitz Downing Street in London bestätigte sie auch, dass es sich bei dem Angreifer um einen Einzeltäter handelte. Nach der aktuellen Warnstufe gilt ein Anschlag bereits als „sehr wahrscheinlich“.

Als Reaktion auf die mutmaßlichen Terroranschläge verschob das Regionalparlament in Schottland die eigentlich für Mittwochabend vorgesehene Abstimmung über ein neues Unabhängigkeitsreferendum.

Ein Jahr nach Brüssel-Angriff

Der Angriff in London ereignete sich auf den Tag genau ein Jahr nach den Terroranschlägen von Brüssel. Drei islamistische Selbstmordattentäter rissen am 22. März 2016 am Flughafen und in der U-Bahn 32 Menschen mit in den Tod. Mehr als 300 Personen wurden verletzt. Beim letzten Terroranschlag in London hatten im Juli 2005 vier Muslime mit britischem Pass in der U-Bahn und in einem Bus Sprengsätze gezündet. 56 Menschen starben, etwa 700 wurden verletzt.

Polizisten bewachen das Gelände des Parlaments. Auf einer Aufnahme war zu sehen, wie Beamte einen Mann festsetzen. Ob es sich um den Angreifer handelte, blieb zunächst unklar. Fotos: AP, AFP, REUTERS, APA
Polizisten bewachen das Gelände des Parlaments. Auf einer Aufnahme war zu sehen, wie Beamte einen Mann festsetzen. Ob es sich um den Angreifer handelte, blieb zunächst unklar. Fotos: AP, AFP, REUTERS, APA
Schreckliche Nachrichten aus London: Vier Menschen wurden bei einer Attacke getötet, es gibt mehrere Schwerverletzte. Meine Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer. 
               Christian Kern

Schreckliche Nachrichten aus London: Vier Menschen wurden bei einer Attacke getötet, es gibt mehrere Schwerverletzte. Meine Gedanken sind bei den Angehörigen der Opfer.

Christian Kern

Auch wenn der Hintergrund dieser Taten noch präzise aufzuklären ist(...): Im Kampf gegen jede Form von Terror stehen wir fest und entschlossen an der Seite Großbritanniens. 
               Angela Merkel

Auch wenn der Hintergrund dieser Taten noch präzise aufzuklären ist(…): Im Kampf gegen jede Form von Terror stehen wir fest und entschlossen an der Seite Großbritanniens.

Angela Merkel

Italien steht dem britischen Volk und der Regierung im Angesicht der Attacke, die das Herz von London und der demokratischen Institutionen getroffen hat, bei. 
               Paolo Gentiloni

Italien steht dem britischen Volk und der Regierung im Angesicht der Attacke, die das Herz von London und der demokratischen Institutionen getroffen hat, bei.

Paolo Gentiloni

Wir sind bei den Opfern der London­Attacks. Ich bin heute sehr emotional, ich habe nicht genügend Worte, um zu beschreiben, wie ich mich fühle.  
               Jean-Claude Juncker

Wir sind bei
den Opfern
der London­Attacks. Ich bin heute sehr emotional, ich habe nicht genügend Worte, um zu beschreiben, wie ich mich fühle.

Jean-Claude Juncker