IS reklamiert Anschlag von London für sich

Politik / 23.03.2017 • 22:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Mehrfach vorbestrafter 52-jähriger Mann aus Großbritannien verübte die Tat.

london, antwerpen. (VN) Einen Tag nach dem Anschlag im Zentrum der britischen Hauptstadt haben die Dschihadisten vom sogenannten Islamischen Staat (IS) den Angriff für sich reklamiert. Das IS-Sprachrohr Amak meldete, einer ihrer „Soldaten“ sei verantwortlich. Er folgte demnach Aufrufen, Bewohner aus Staaten der internationalen Anti-IS-Koalition anzugreifen. Unterdessen ist die Zahl der Todesopfer auf fünf gestiegen. Ein 75 Jahre alter Mann sei an den Folgen seiner schweren Verletzungen gestorben, berichtete Sky News am Donnerstagabend unter Berufung auf die Polizei.

Wie Premierministerin Theresa May erklärte, sei gegen den aus Großbritannien stammenden Mann bereits vor einigen Jahren ermittelt worden. Er stand im Verdacht, ein gewalttätiger Extremist zu sein. May bezeichnete ihn als „Randfigur“. Nach Polizeiangaben handelt es sich um einen mehrfach vorbestraften 52-Jährigen namens Khaled M. Es habe zuvor keine Hinweise darauf gegeben, dass M. einen Terroranschlag beabsichtigt habe. Er war 1983 erstmals wegen Sachbeschädigung verurteilt worden, das letzte Urteil bezog sich auf den Besitz eines Messers und stammt vom Dezember 2003.

Die Polizei nahm am Donnerstag bei Razzien acht Menschen fest. Ein Sprecher von Scotland Yard sagte, sowohl in London als auch in Birmingham und anderen Orten seien Wohnungen durchsucht worden.

Der Mann war am Mittwochnachmittag mit einem gemieteten Auto auf der Westminster Brücke in mehrere Fußgänger gerast. Wenig später stach er vor dem Parlament auf einen Polizisten ein, der unbewaffnet gewesen sein soll. Andere Beamten erschossen den Attentäter schließlich. Bei dem Anschlag am Mittwoch beim Londoner Parlament waren vier Menschen getötet worden, unter ihnen auch der Attentäter. Die etwa 40 Verletzten kommen aus mindestens elf Ländern, darunter sind zwölf Briten, eine Deutsche, drei Franzosen, zwei Rumänen, vier Südkoreaner, ein Pole, ein Ire, ein Chinese, ein Italiener, ein Amerikaner und zwei Griechen.

Die Westminster-Brücke wurde weniger als 24 Stunden nach dem Terroranschlag wieder für den Verkehr freigegeben, auch das Parlament tagte wieder. „Es ist niemand in Panik verfallen, auch in der U-Bahn lief es wie immer, am nächsten Tag gingen alle wie gewohnt zur Arbeit“, schildert die Schrunserin Aline Breuss-Laferriere (39), die seit acht Jahren in London lebt und in der Finanzbranche arbeitet, ihre Eindrücke. „Die Engländer bewahren in solchen Fällen eine bewundernswerte Ruhe.“ Eine anti-islamische Stimmung mache sich nicht breit, dazu sei London viel zu sehr Multikulti-Stadt, sagt sie zu den VN.

Am Donnerstagabend gedachten Tausende Menschen am Trafalgar Square der Opfer des Terroranschlages. „Londoner werden sich nie von Terror einschüchtern lassen“, rief Londons Bürgermeister Sadiq Khan den Menschen zu.

Anschlag verhindert

Einen Tag nach dem Terrorakt von London ist es der belgischen Polizei möglicherweise gelungen, in Antwerpen einen weiteren Anschlag zu verhindern. Nach Angaben eines Polizeisprechers raste ein Autofahrer mit hohem Tempo durch die Stadt, Menschen mussten zur Seite springen. Das Auto konnte von einer schnellen Eingreiftruppe der Polizei gestoppt werden. Bei dem Festgenommenen handelt es sich ersten Ermittlungen zufolge um einen 39-jährigen Franzosen mit nordafrikanischen Wurzeln. Im Kofferraum des Fahrzeugs von Mohamed R. fanden die Ermittler Stichwaffen sowie ein Gewehr. Zudem wurde ein Kanister mit einer noch unbekannten Flüssigkeit entdeckt.

Die Engländer bewahren eine bewundernswerte Ruhe.

Aline Breuss-Laferriere
Internationale Solidarität mit den Opfern der Terrorattacke von London: In Berlin wurde das Brandenburger Tor in den Farben des Vereinten Königreichs beleuchtet.  Foto: REUTERS
Internationale Solidarität mit den Opfern der Terrorattacke von London: In Berlin wurde das Brandenburger Tor in den Farben des Vereinten Königreichs beleuchtet. Foto: REUTERS