Experte zweifelt am Auftrag des IS

24.03.2017 • 21:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein Polizist besucht die Gedenkstätte beim Parlament. Foto: ap
Ein Polizist besucht die Gedenkstätte beim Parlament. Foto: ap

Dschihadistenmiliz wusste nichts. Terrorvorwürfe gegen Autofahrer in Antwerpen. 

london. (VN) Der Terroranschlag am Mittwoch vor dem britischen Parlament wirft weiter Fragen auf. Unklar bleibt, ob der Angreifer Mittäter hatte. Ein Terrorismusexperte glaubt nicht an eine direkte Verbindung zwischen Attentäter und IS.

Der Attentäter war auf einer Brücke im Zentrum von London mit einem Auto gezielt in Fußgänger gerast. Dabei wurden mindestens fünf Menschen getötet und rund 50 verletzt, einige von ihnen schwer. Der Täter, ein 52-jährigen Mann namens Khalid Masood, wurde erschossen, nachdem er einen Polizisten niedergestochen und tödlich verletzt hatte. Masood wurde als Adrian Russell Ajao in Großbritannien geboren, lebte zuletzt in der Region West Midlands um Birmingham und verwendete eine Reihe von Aliasnamen. Eine Verurteilung wegen terroristischer Aktivitäten gab es nicht. Verurteilt wurde er lediglich wegen Sachbeschädigung und unerlaubten Waffenbesitzes.

Ob Masood aus eigenem Antrieb handelte oder ob er vom IS (Islamischer Staat) beauftragt wurde und seinen Anschlag bewusst genau ein Jahr nach den Attentaten von Brüssel beging, konnte noch nicht ermittelt werden.

Der deutsche Terrorismusforscher Peter Neumann zweifelt daran, dass der IS unmittelbar hinter der Attacke steckt bzw. einen direkten Auftrag gegeben hat. „Das leitet sich daraus her, dass der Islamische Staat offensichtlich selbst von diesem Anschlag überrascht war“, sagte Neuman am Freitag. Der IS habe zwar den Anschlag für sich reklamiert, aber es gebe in den vergangenen 24 Stunden veröffentlichte IS-Publikationen, in denen die Vorfälle in London noch nicht erwähnt würden. „Und das bedeutet, dass offensichtlich die Leute in Syrien keine Ahnung hatten, dass er passiert.“

Anklage in Antwerpen

Dem Franzosen, der am Donnerstag sein Auto bei hoher Geschwindigkeit durch eine belebte Einkaufsgegend in Antwerpen gefahren hat, legen die belgischen Behörden Terrorvorwürfe zur Last. Der 39-jährige Mohamed R. sei wegen „versuchten Mordes in einem Terrorkontext“ sowie Verstößen gegen das Waffengesetz angeklagt worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit. R. war nach seiner Fahrt durch die Einkaufsstraße Meir im Hafen festgenommen worden. Verletzt wurde niemand. Im Auto wurden Waffen und ein Gaskanister gefunden.