Donalds dicke Freunde

02.04.2017 • 20:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Eines muss man dem amerikanischen Präsidenten lassen: Er hat ein Herz für Autokraten. Na, ja, wie heißt es so schön: Gleich und gleich gesellt sich gern.

Den nicht ganz lupenreinen Demokraten Wladimir Putin fand Donald Trump bekanntlich schon während seines nicht immer wahrheitsgetreuen Präsidentschaftswahlkampfs zum Knuddeln. Denn Freund Wladimir leistete ja auch fleißig Wahlkampfschützenhilfe, was die beiden Männerfreunde inzwischen wortreich bestreiten. Währenddessen sind parlamentarische Untersuchungsausschüsse in Washington damit beschäftigt, dem Wahlgeklüngel auf den Grund zu gehen.

Donalds neuester Freund ist der in westeuropäischen Gegenden zur Zeit aus vielen Gründen übel beleumundete Pascha am Bosporus. Der Oppositionelle en gros einsperrende Türken-Präsident Recep Tayyip Erdogan ist zwar einer von vielen Muslimen, die der Grapscher vom Hudson sonst partout nicht leiden kann. Aber weil er es, wie Trump, mit dem Demokratiekram und der Wahrheit nicht so genau nimmt, ist er wohl eben ein Bruder im Geiste.

Ihm hat Trump in diesen Tagen seinen außenpolitisch unbeleckten Außenminister Rex Tillerson als Freundschaftsboten geschickt. Der lobte Donalds neuen Freund über den grünen Klee und verlor kein einziges Wort über die von Erdogan initiierten massiven Menschenrechtsverletzungen. Gespräche über massive US-Waffenlieferungen an das Erdogan-Regime laufen auch schon.

Gleichzeitig ließ der US-Präsident seinen Sprecher Sean Spicer verkünden, dass nun auch der syrische Präsident Baschar al-Assad zum Trump-Freundeskreis gehört. Den gelernten Augenarzt in Damaskus, dem viele Regierungen der Welt Massenmord an der eigenen Bevölkerung anlasten und den Präsident Obama in den unverdienten Ruhestand schicken wollte, macht Trump als „Realität“ hoffähig.

Schon vorher hatte sich die Washingtoner Führerfigur mit weiteren Freundschaftspflegearbeiten beschäftigt. Er genehmigte die von Obama verhinderten US-Waffenlieferungen im Gesamtwert von mehreren Milliarden Dollar an das Autokratenregime in Bahrein. Der Vertrag über die US-Lieferung von „Präzisionsmunition zur Terroristenbekämpfung“ im Wert von 300 Millionen an die auch nicht gerade Demokratie-besessenen saudischen Potentaten ist unterschriftsreif. Und der in den nächsten Wochen zum Freundschaftsbesuch nach Washington kommende ägyptische Junta-Chef Abdel Fatah al-Sisi darf eine auf jährlich 1,3 Milliarden Dollar aufgestockte US-Militärhilfe mit nach Hause nehmen.

Wenn der US-Präsident Ende nächsten Monats zum Weltwirtschaftsgipfel nach Sizilien kommt, wen trifft er da? Die Staats- und Regierungschefs der übrigen G7-Staaten, die bislang dicke US-Freunde waren. Die malträtiert er allesamt mit ruinösen Handelskriegsdrohungen und einige ängstigt er mit hanebüchenen Nato-Rechnungen. Dann werden wir ja sehen, was beim G20-Gipfel Anfang Juli in Hamburg passiert. Auf jeden Fall: Sag mir, wer deine Freunde sind, und ich sage dir, wer du bist.

Donald Trump fand Wladimir Putin schon während seines Präsidentschaftswahlkampfs zum Knuddeln.

Peter W. Schroeder, Washington