Autonomiebotschafter sollen den Weg weisen

03.04.2017 • 20:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Bildungsministerin Hammerschmid mit Bundeskanzler Kern zu Besuch in einer HAK in Wien.  APA
Bildungsministerin Hammerschmid mit Bundeskanzler Kern zu Besuch in einer HAK in Wien.  APA

Vorzeigeschulen auch in Hard: Sie könnten schon im Herbst autonomer arbeiten.

Wien. (VN-ebi) Zehn Schulen sollen in Österreich vorleben, wie Schulautonomie funktioniert. Auch die Volksschule und Mittelschule Hard Markt zählen dazu. Sie arbeiten bereits eng zusammen und erproben erste Spielräume. Das macht die beiden Standorte zu künftigen Leuchtturmprojekten. Um diese voranzutreiben, schickt Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) sogenannte Autonomiebotschafter durchs Land. Diese sollen dabei „informieren, überzeugen und begeistern“, wie deren Koordinator Andreas Schnider erklärt. Ihre Aufgabe werde es sein, ein Netzwerk mit Direktoren und Lehrern aller Schultypen aufzubauen und zu kommunizieren, welche Vorteile das Autonomiepaket bringen könne. Entgegen der Behauptungen der Lehrergewerkschaft handle es sich nämlich nicht um ein Sparpaket.

Es sei ein Paket, das Innovation und Freiräume ermögliche. „Das Grundbudget bleibt. Weniger Geld wird es nicht“, sagt Schnider. Jeder Standort könne seine Mittel aber je nach Bedarf umschichten. „Wir schaffen damit einen Strukturrahmen, der es ermöglicht, pädagogische Projekte auch wirklich umsetzen zu können.“ Die Leuchtturmschulen sollen das bereits im kommenden Schuljahr tun. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das Schulautonomiepaket auch beschlossen wird. Das Gesetzeswerk befindet sich noch bis 30. April in Begutachtung.

„Keine Mangelverwaltung“

Die AHS-Lehrervertreter haben sich bereits mit einer schriftlichen Stellungnahme zu Wort gemeldet. Darin kritisieren sie zum einen, dass „der Anteil des Bruttoinlandsprodukts, der dem Schulwesen zur Verfügung steht, drastisch, nämlich von 4,3 auf 3,2 Prozent gekürzt“ worden sei. Laut der Gewerkschaft müssten zwei Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich zur Verfügung gestellt werden.  „Dieses Volumen würde den Bewegungsspielraum schaffen, den Schulen brauchen, um Autonomie zu leben“, heißt es in der Stellungnahme. Eine autonome Mangelverwaltung, wie sie derzeit geplant sei, lehne man ab.

Begeisterung schaffen

„Jeder hat seine Rolle, auch die Lehrervertretung“, reagiert Schnider gelassen. Seine Rolle sei es nun, Standorte für die Schulautonomie zu begeistern. „Wir müssen ihnen zeigen, welche Möglichkeiten sie haben. Sie können zum Beispiel ihre Öffnungszeiten und Gruppengrößen autonom festlegen, Cluster gründen und an kleinen Standorten Projekte ermöglichen, die bisher nicht möglich gewesen sind“, sagt er. Auf einen „Hickhack“ mit der Gewerkschaft zielt Schnider dabei nicht ab: „Es geht darum, dass wir jetzt Stimmung für die Schulautonomie machen.“

Die Botschafter seien nun dazu da, den Leuchtturmschulen die richtige Anleitung für die Umsetzung zu geben. „Wenn dann die anderen Standorte erkennen, was im Rahmen der Autonomie alles möglich ist, wird keine große Begeisterungsarbeit mehr nötig sein“, ist sich Schnider sicher.

Stichwort

Schulautonomie. Mit der Reform soll den Schulen mehr Autonomie eingeräumt werden. Zentraler Punkt dabei ist die Möglichkeit des Zusammenschlusses von bis zu acht Schulen in sogenannten „Clustern“ unter einer gemeinsamen Clusterleitung. So sollen etwa Ressourcen besser genutzt werden und Lehrer bei Bedarf auch an anderen Clusterschulen unterrichten. Der Clusterleiter soll einen Großteil der Verwaltung übernehmen, an den einzelnen Schulen soll es statt Direktoren nur Bereichsleiter geben, die mehr unterrichten. Dadurch freigewordene Ressourcen sollen in Verwaltungspersonal investiert werden.