Desaster für die Grünen

03.04.2017 • 20:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Die Bundesorganisation der Jungen Grünen hat zu hoch gepokert. Ihr wurde der Status als Jugendverein aberkannt. Zu sehr habe sie versucht die Bundespartei zu sabotieren, lautet die Begründung für den Schnitt der Parteispitze. Richtig war die Entscheidung nicht. Denn das Bild, das an den Grünen rund um Eva Glawischnig haften bleibt, ist kein gutes. Es ist ein kommunikatives Desaster, an dessen Ende man sich lediglich an drei Schlussfolgerungen erinnern wird. Erstens: Die Grünen wollen ihre Parteijugend nicht. Zweitens: Die Grünen können ihre Probleme nicht intern lösen. Drittens: Die Grünen können nicht mit einer aufmüpfigen Parteijugend umgehen. 

Letzteres hätten sie sich wohl besser angeeignet, ist es doch das Markenzeichen – zumindest der linken – Jungen, manchmal gegen ihre Führung aufzubegehren. Auch die Sozialdemokraten hatten schon öfters damit zu kämpfen (man denke nur an die Proteste gegen den früheren Kanzler Werner Faymann). Ein Ultimatum kann da nicht die Lösung sein und schon gar nicht die Aberkennung des Status einer Jugendorganisation. Hätten SPÖ, ÖVP oder die FPÖ ihre Jungen in die Wüste geschickt, wäre ihnen ein noch größerer Aufschrei sicher gewesen.

Doch zurück zu den Grünen. Es mag ja sein, dass hinter dem Drama einige grobe Fehler der nun ehemaligen Bundesjugendorganisation stecken. Es mag auch sein, dass Postenschacherei und Taktik bei der ÖH-Wahl zum Teil gewichtiger waren als die Inhalte. Bei all den bestehenden Differenzen ist es aber falsch zu glauben, dass der „Rausschmiss“ die Probleme lösen wird. Die Jungen werden weiter aufbegehren. Die Bundespartei muss jetzt also auf Deeskalation setzen.

Es liegt nämlich in der Natur der Sache, dass es der verkehrte Weg ist, die Parteijugend zu vergraulen. Sie rennt bei den Wahlkämpfen nicht nur unermüdlich durch die Städte und Gemeinden, um Stimmen zu mobilisieren. Auch könnte der falsche Umgang mit ihr den ein oder anderen Jungwähler erschrecken – während gerade diese Stimmen für die Grünen gewichtig sind. Bei der Nationalratswahl 2013 waren immerhin 45 Prozent der Grün-Wählerinnen und -Wähler noch keine 30 Jahre alt. Was bei ihnen hängen bleiben könnte, ist der symbolische Ausschluss der Parteijugend.

Es bleibt auch der Beigeschmack, dass die Grünen ihre Probleme intern nicht bewältigen konnten und sich genötigt fühlten, am Ende nicht nur ein Machtwort zu sprechen, sondern die eigene Jugend rauszuwerfen. Die Bundespartei schadet sich mit diesem Verhalten selbst womöglich mehr, als es die Jungen Grünen je geschafft hätten. Sich von der Parteijugend abzugrenzen, ist also nicht nur politisch bedenklich, sondern ein kommunikativer Super-GAU.

Die Partei schadet sich mit diesem Verhalten womöglich mehr, als es die Bundesjugend je geschafft hätte.

birgit.entner@vn.at, 01/3177834