22-Jähriger verübte Anschlag

04.04.2017 • 20:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
asdf Foto: ???
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Mann aus Kirgistan war Ermittlern zufolge für Attentat in St. Petersburg verantwortlich.

st. petersburg. (VN) Einen Tag nach dem verheerenden Bombenanschlag in der U-Bahn von St. Petersburg haben die Behörden den Selbstmordattentäter identifiziert. Ein 22-jähriger Mann aus Kirgistan versteckte demnach die Bombe, die mindestens 14 Menschen in den Tod riss. Zudem soll er einen zweiten Sprengsatz in einer Metrostation platziert haben, der entschärft werden konnte. Das legten DNA-Spuren und Bilder von Überwachungs­kameras nahe.

Russischer Pass

Ein kirgisischer Geheimdienstsprecher sagte am Dienstagmorgen der Nachrichtenagentur AFP, der Attentäter heiße Akbarschon Dschalilow und sei 1995 in Kirgistan geboren worden. Wahrscheinlich habe er auch einen russischen Pass besessen. Er stamme aus der Region Osch im Süden der früheren zentralasiatischen Sowjetrepublik. Aus dieser Region haben sich im Vorjahr schätzungsweise rund 600 Menschen Dschihadistengruppen, insbesondere der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), in Syrien und im Irak angeschlossen. Der IS hatte bereits mehrfach zu Anschlägen in Russland aufgerufen.

Die Ermittler in Moskau bestätigten Identität und Geburtstjahr des Attentäters. Ihren Erkenntnissen zufolge sei es Dschalilow gewesen, der die Bombe in dem U-Bahn-Waggon platziert habe, hieß es in einer Erklärung der Justiz. Die sterblichen Überreste des Mannes wurden am Ort der Explosion gefunden. Unklar ist, ob er bei der offiziellen Zahl der 14 Todesopfer mitgezählt wird.

Am Montagmittag war ein Sprengsatz in einer fahrenden U-Bahn unter dem Zentrum der Stadt explodiert. Die Zahl der Todesopfer erhöhte sich am Dienstag auf mindestens 14. Gesundheitsministerin Weronika Skworzowa sagte, dass elf Menschen direkt bei der Explosion gestorben seien, weitere erlagen später ihren Verletzungen. 49 Menschen wurden in Krankenhäusern behandelt.

Dreitägige Trauer

Der Kreml wollte nicht ausschließen, dass das Attentat auf den Besuch von Präsident Wladimir Putin abzielen sollte. „Allein die Tatsache, dass der Terroranschlag verübt wurde, während das Staatsoberhaupt in der Stadt war, zwingt zum Nachdenken“, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow. Die Sicherheitsvorkehrungen in St. Petersburg wurden nach dem Angriff massiv verstärkt.

In der Stadt begann am Dienstag eine dreitägige Trauerperiode. Zahlreiche Menschen stellten vor U-Bahn-Stationen und auch in der Nähe der Kremlmauer in Moskau Kerzen auf und legten Blumen für die Opfer nieder. Das Attentat löste weltweit große Betroffenheit aus. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilte den „barbarischen und feigen Terroranschlag.“ UN-Generalsekretär Antonio Guterres drückte den betroffenen Familien sein Mitgefühl aus.

Kontroverse um Beleuchtung

Unterdessen sorgte die Entscheidung Berlins, auf eine Solidaritäts-Beleuchtung am Brandenburger Tor zu verzichten, für eine heftige Debatte. Der Senat der deutschen Hauptstadt verteidigte die Entscheidung, das Wahrzeichen nicht mit den russischen Nationalfarben anzustrahlen. Dies bleibe Städtepartnerschaften und Orten mit besonderem Bezug zu Berlin vorbehalten, hieß es am Dienstag. Viele Nutzer in Sozialen Netzwerken vermuteten hingegen mangelnde Solidarität mit den russischen Opfern.

In der Vergangenheit war das Brandenburger Tor mehrmals nach Terroranschlägen in den Farben der jeweiligen Nation beleuchtet worden, etwa nach den Attentaten in Paris, Brüssel, London oder Istanbul.

Der aus Kirgistan stammende Akbarschon Dschalilow soll die Bombe in der U-Bahn gelegt haben.  Foto: AFP 
Der aus Kirgistan stammende Akbarschon Dschalilow soll die Bombe in der U-Bahn gelegt haben. Foto: AFP