Bregenz wird Testregion gegen Arbeitslosigkeit

04.04.2017 • 20:34 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Bezirk Bregenz sollen Stadt und Gemeinden das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit gemeinsam in die Hand nehmen.  Foto: APA
Im Bezirk Bregenz sollen Stadt und Gemeinden das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit gemeinsam in die Hand nehmen.  Foto: APA

Sozialminister fördert Städte und Gemeinden, die Stellen für über 50-Jährige schaffen.

Wien. Wer einmal im Strudel der Langzeitarbeitslosigkeit steckt, kommt nur schwer wieder raus. Seit über einem Jahr fehlt der Job, die Perspektiven werden weniger, das Selbstbewusstsein auch. Die weißen Flecken im Lebenslauf erschweren es zunehmend, eine neue Stelle zu finden. Es ist ein Schicksal, das viele ältere Personen nur zu gut kennen. Die Zahl der über 50-jährigen Langzeitarbeitslosen ist in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. Waren es 2012 noch 17.275 Personen österreichweit, galten 2016 bereits 50.088 Personen der Gruppe 50+ als langzeitarbeitslos. Diesem Trend möchte Sozialminister Alois Stöger (SPÖ) mit seiner „Beschäftigungsaktion 20.000“ nun entgegensteuern und in den kommenden eineinhalb Jahren 20.000 Arbeitsplätze für die über 50-Jährigen schaffen. Gemeinden sollen die Hauptrolle übernehmen, auch der Bund und gemeinnützige Organisationen sollen mithelfen. Gestartet wird im Juli 2017. Für die ersten eineinhalb Jahre stehen 200 Millionen Euro zur Verfügung, kündigt der Minister im VN-Gespräch an.

400 Jobs in Vorarlberg

In jedem Bundesland macht eine Pilotregion den Auftakt. In Vorarlberg wird es der Bezirk Bregenz sein. Dort leben 38 Prozent der rund 1000 über 50-Jährigen, die schon länger als ein Jahr auf Arbeitssuche sind. Ab Juli sollen für sie die ersten Stellen geschaffen und bis Ende 2018 insgesamt 400 neue Jobs gefördert werden. „Inklusive Bregenz werden 40 Gemeinden von den zusätzlichen Arbeitsplätzen profitieren“, meint Stöger. Die Lohn- und Lohnnebenkosten werden für maximal zwei Jahre bis zu 100 Prozent gefördert. Ein fertiges Programm gebe es dafür nicht, sagt der Minister. Dieses werde erst mit den Bürgermeistern und dem AMS besprochen. Schließlich gebe es in jeder Gemeinde unterschiedliche Bedürfnisse und Jobmöglichkeiten. „Ich merke aber, dass Interesse an unserem Programm besteht, weil jeder jemanden in seiner Gemeinde kennt, der über 50 und auf Arbeitssuche ist“, erklärt Stöger.

Unterstützung aus Bregenz

Einen Unterstützer hat er bereits. Der Bregenzer Bürgermeister Markus Linhart (ÖVP) befürwortet die Aktion „aufs Wärmste“. Er möchte nun ausloten, in welchen Bereichen die Stadt oder gemeinnützige Organisationen Langzeitarbeitslose unterbringen können. Das könne von der Stadtgärtnerei bis hin zu Altersheimen reichen. „Ich kann mir auch die Reinigung öffentlicher Flächen oder die Überwachung unserer Seeanlagen gut vorstellen“, meint Linhart.

Auch Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) bekennt sich zu dem Programm. Allerdings kritisiert sein Ressort, dass Stöger deutlich mehr dafür einplane, als vereinbart gewesen sei. Stimmt nicht, reagiert der Sozialminister im VN-Gespräch: „Ich bekomme keinen Euro mehr, als ausgemacht. Ich kann daher nicht nachvollziehen, warum der Finanzminister irritiert ist. Vielleicht hat ihn überrascht, dass wir so zügig arbeiten.“

Im Laufe des Jahres 2018 soll die „Aktion 20.000“ evaluiert werden. Ist das Ergebnis positiv, wird es für 2019 weitere 200 Millionen Euro geben. Und danach? „Wenn sich die Situation bis dahin nicht ändert und das Problem der Langzeitarbeitslosigkeit über 50 nicht gelöst ist, muss das Programm fortgesetzt werden“, meint Stöger.