Dutzende Tote bei Giftgasangriff

04.04.2017 • 20:54 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Helfer versorgen einen Verletzten in Chan Scheichun. Nur kurze Zeit nach dem Angriff soll ein Krankenhaus getroffen worden sein.  Foto: AFP
Helfer versorgen einen Verletzten in Chan Scheichun. Nur kurze Zeit nach dem Angriff soll ein Krankenhaus getroffen worden sein. Foto: AFP

Mehr als 50 Zivilisten in syrischem Rebellen-Ort getötet. Regime weist Schuld von sich.

damaskus. Bei einem der schwersten Angriffe mit Giftgas im syrischen Bürgerkrieg sind Aktivisten zufolge mindestens 58 Menschen getötet worden, darunter elf Kinder. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete am Dienstag aus der von Rebellen kontrollierten Stadt Chan Scheichun im Nordwesten des Landes zudem Dutzende Verletzte. Die Menschenrechtler sitzen in England, stützen sich aber auf ein Netzwerk von Informanten in Syrien. 

Flugzeuge hätten am Morgen mehrere Angriffe geflogen, erklärte die Beobachtungsstelle. Menschen seien in Ohnmacht gefallen, hätten sich erbrochen und Schaum vor dem Mund gehabt. Der Zustand vieler Verletzter sei ernst. Bilder im Internet zeigten zahlreiche Leichen und Opfer, die mit Sauerstoff behandelt wurden. Der Arzt einer Klinik berichtete, es handle sich um einen schweren Giftgasangriff. Aktivisten machten Jets der syrischen Luftwaffe verantwortlich. Diese wies den Vorwurf zurück. Ein syrischer General, der ungenannt bleiben wollte, erklärte, die syrische Armee habe in Chan Scheichun kein Giftgas eingesetzt. Später am Tag hätten Jets Chan Scheichun erneut angegriffen und dabei das Gebiet um einen medizinischen Versorgungspunkt bombardiert, meldeten die Menschenrechtsbeobachter. Auch andere Aktivisten erklärten, eine Klinik sei getroffen worden. Chan Scheichun liegt im Süden der Provinz Idlib, die von unterschiedlichen Rebellengruppen kontrolliert wird. Eigentlich gilt in dem Bürgerkriegsland eine von Russland und der Türkei ausgehandelte Waffenruhe. Diese ist jedoch brüchig. Ausgenommen von der Waffenruhe sind die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und die Al-Kaida-nahe Organisation Tahrir al-Scham. Diese ist besonders in der Provinz Idlib stark.

Die Vereinten Nationen verurteilten den mutmaßlichen Giftgasangriff scharf. Die Syrien-Ermittler des UN-Menschenrechtsrates untersuchten den Vorfall, teilten sie in Genf mit. „Sowohl der Einsatz von chemischen Waffen als auch der bewusste Angriff auf medizinische Einrichtungen würden ein Kriegsverbrechen und eine weitreichende Verletzung der Menschenrechte bedeuten“, hieß es in einer Stellungnahme. Frankreich und Großbritannien forderten eine Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats. Der britische Außenminister Boris Johnson vermutete die syrische Regierung hinter dem Angriff.