Neue Machtverhältnisse in der ÖVP

05.04.2017 • 20:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Stelzer, der neue Landeshauptmann in Oberösterreich.  APA
Stelzer, der neue Landeshauptmann in Oberösterreich.  APA

Mit den Landeshauptleuten Stelzer und Mikl-Leitner werden ÖAAB und Kurz gestärkt.

Wien. (joh) Thomas Stelzer ist der beste Beweis dafür, dass ein Politiker, der sehr lange als Kandidat für ein höheres Amt herumläuft, nicht stolpern muss: „Vor einigen Jahren“ habe ihn der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer (ÖVP) informiert, dass er sein Nachfolger werden solle, gestand er vor wenigen Tagen. Und heute, Donnerstag, wird die Übergabe abgeschlossen: Nachdem der 50-Jährige am vergangenen Wochenende zum ÖVP-Chef gewählt worden ist (mit 99,9 Prozent), wird er nun zum Landeshauptmann gekürt. Und dann kann er loslegen. Er will nichts weniger, als Oberösterreich zum „neuen, spannenden, pulsierenden Zentrum“ der Republik zu machen.

Nach Ostern wird der Führungswechsel im Nachbarland Niederösterreich vollzogen: Dort wird mit Johanna Mikl-Leitner Erwin Pröll (beide ÖVP) als Landeshauptmann beerbt. Auch die 53-Jährige ist schon länger Nachfolgekandidatin, konnte sich wie Stelzer aber gegen selbsternannte Mitbewerber durchsetzen; in ihrem Fall handelte es sich um Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP).

Zäsur für die Bauern

Thomas Stelzer und Johanna Mikl-Leitner verheißen nicht nur neue Machtverhältnisse in den größten Bundesländern neben Wien, sondern auch in der gesamten ÖVP. Beide gehören dem Arbeitnehmerflügel ÖAAB an. Stelzer sitzt im Landesvorstand, Mikl-Leitner ist ehemalige Bundesobfrau. Ihr nunmehriger Karrieresprung in St. Pölten geht auf Kosten des Bauernbundes, zu dem Erwin Pröll gehört. Für die Landwirte ist das, nebenbei bemerkt, eine Zäsur. Zumindest einen mächtigen Landeshauptmann haben sie bisher eigentlich immer gestellt; wenn nicht in Niederösterreich, dann zumindest in der Steiermark (Josef Krainer jun.) oder in Tirol (Eduard Wallnöfer). Doch auch dort sind mit den Landeshauptleuten Hermann Schützenhöfer und Günther Platter mittlerweile ÖAAB-Leute am Ruder.

Auf Bundesebene nicht nervös machen brauchen die Veränderungen den, der als Spitzenkandidat für die nächste Nationalratswahl gehandelt wird: Sebastian Kurz. Mikl-Leitner verweist mit Stolz darauf, dass er 2011 bei ihr als Integrationsstaatssekretär angefangen habe; damals war sie Innenministerin. Und Stelzer hat bis vor Kurzem seine Facebook-Seite mit einem Foto beworben, auf dem er gemeinsam mit dem 30-Jährigen zu sehen ist. Ein solches Bild sagt diesbezüglich mehr als 1000 Worte, zumal sich die Niederösterreicherin und der Oberösterreicher mit Aussagen zur ÖVP-Zukunft zumindest nach außen hin noch zurückhalten.