Jung, frech und Hoffnungsträger

Politik / 06.04.2017 • 20:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Teresa Griesebner (l.) von den Jungen Grünen mit ihrer Bundessprecherin Flora Petrik. Letztere ist mittlerweile in halb Österreich bekannt.  APA
Teresa Griesebner (l.) von den Jungen Grünen mit ihrer Bundessprecherin Flora Petrik. Letztere ist mittlerweile in halb Österreich bekannt.  APA

Probleme mit dem Nachwuchs lösen sich in den Parteien meist in Wohlgefallen auf.

Wien. (joh) Nichts spricht dagegen, dass die Chefin der „Jungen Grünen“, Flora Petrik, eines Tages noch große Karriere in der österreichischen Politik macht. Bundesparteivorsitzende Eva Glawischnig hat zwar mit ihrer Organisation gebrochen; so etwas hat politischem Nachwuchs aber noch nie geschadet. Im Gegenteil: Halb Österreich kennt heute die gebürtige Burgenländerin, Jahrgang 1994. Das ist schon einmal etwas.

Ermutigend sind im Übrigen ein paar Beispiele aus der Vergangenheit; dieses etwa: 1982 wandte sich der Vorsitzende der Sozialistischen Jugend auf einem SPÖ-Parteitag an den burgenländischen Landeshauptmann Theodor Kery und konfrontierte diesen mit drei unverschämten Fragen: „Stimmt es, dass du mehr verdienst als der Bundeskanzler? Stimmt es, dass du verbilligten Strom beziehst? Ist es wahr, dass du in deiner Freizeit mit Maschinenpistolen schießt?“ Der junge Mann, der da so frech war, hieß Josef Cap. Zwar wurde er zunächst bestraft und aus dem Parteivorstand geschmissen; genau das aber steigerte seinen Marktwert und trug dazu bei, dass er wenig später mit über 60.000 Vorzugstimmen in den Nationalrat gewählt wurde. Dort sitzt er heute noch. Zwischendurch war er zudem Bundesgeschäftsführer und Klubobmann.

Nachwuchspflege und dabei auch ein ordentliches Maß an Toleranz kann sich für Parteien sogar bezahlt machen. Die drei Spitzenpolitiker, die sich bei der nächsten Nationalratswahl einen Dreikampf ums Kanzleramt liefern könnten, haben allesamt jung angefangen und sich zum Teil auch einiges erlaubt. Heinz-Christian Strache (FPÖ) schlug sich zunächst als Burschenschafter herum, ehe er 1991 im Alter von 21 Jahren jüngster Bezirksrat Wiens wurde. Christian Kern (SPÖ) war als Studentenvertreter Chefredakteur der kämpferischen Zeitung „Rotpress“ (seine dortigen Nachfolger haben ihn soeben unter der despektierlichen Überschrift „Kompromisslos grundsatzlos“ auf die Titelseite gehoben). Und Sebastian Kurz ist nach wie vor Bundesobmann der Jungen ÖVP. 2010 hat er in Wien mit der Kampagne „Schwarz macht geil“ Grenzen ausgelotet. Das Ziel, einen Erfolg bei der damaligen Gemeinderatswahl zu erreichen, verfehlte er zwar; seiner Laufbahn sollte das aber keinen Abbruch tun.

Junge haben Gewicht

Junge dürfen in Parteien meist mehr. Und gerade die Grünen haben gute Gründe, dafür zu sorgen, dass sie zumindest über ihren Nachwuchs jung bleiben: Sie sind von den Wählern unter 30 geradezu abhängig, wie Analysen des Sozialforschungsinstituts SORA immer wieder zeigen. Bei der letzten Nationalratswahl kamen sie in dieser Altersgruppe auf 21 Prozent und damit etwa auf so viel wie SPÖ, ÖVP und FPÖ. Ähnlich auch bei der Vorarlberger Landtagswahl 2015: Da schafften die Grünen bei den Jungen sogar 25 Prozent und damit zwei Mal mehr als die insgesamt viel stärkere ÖVP.