Arbeit mit Gewalttätern

07.04.2017 • 20:41 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Jede fünfte Gewalttat findet in den privaten vier Wänden statt. Die Arbeit mit Tätern soll die Prävention stärken.  Foto: APA
Jede fünfte Gewalttat findet in den privaten vier Wänden statt. Die Arbeit mit Tätern soll die Prävention stärken.  Foto: APA

Prävention gegen häusliche Gewalt: Grüne sehen Vorarlberger Projekt als Vorbild.

Wien. „Vorarlberg stand unter Schock, politisch und emotional“, erinnert sich Gewaltberater Arno Dalpra an den grauenvollen Tod des dreijährigen Cain. Der Peiniger des Bregenzer Buben war schon als gewaltbereit bekannt. Die Arbeit mit Männern und Frauen, die gefährdet sind, weitere Taten zu begehen, fehlte aber. Das war einer der Schlüsse, den die damals eingesetzte Expertenkommission gezogen hat. Dalpra erhielt über das Institut für Sozialdienste (IfS) den Auftrag, ein Angebot für Täter zu entwickeln.

300 Fälle in Vorarlberg

Bei häuslicher Gewalt ist es bisher so, dass nur das Opfer betreut wird. Der Täter wird zwar weggewiesen und darf die gemeinsame Wohnung für zwei Wochen nicht mehr betreten. Damit reißt der Kontakt zu den Behörden aber auch schon ab; außer es werden neue Zwischenfälle gemeldet. Eine solche Wegweisung hatte auch der Grazer Amokfahrer, vor seinem Attentat erhalten, berichtet Dalpra. Mit gezielter Beratung wäre seine Tat womöglich zu verhindern gewesen. Schließlich sei Gewalt ein Verhaltensmuster, das geändert werden könne.

Im vergangenen Jahr hat die Vorarlberger Polizei rund 300 Männer und Frauen nach Gewaltdelikten aus ihrer Wohnung verwiesen. Ein Drittel davon stimmte zu, ihre Kontaktdaten an die Gewaltberatung weiterzuleiten. Daraufhin meldeten sich die Sozialarbeiter des IfS bei den Tätern. Mehr als die Hälfte von ihnen nahm das Angebot an, an einem Gewaltberatungsprogramm teilzunehmen. Dalpra spricht sich nun dafür aus, die Arbeit mit den Tätern auf Österreich auszuweiten. Derzeit ist das Vorarlberger Projekt nämlich einmalig. „Auch dass wir so gut finanziert sind“, sagt er. Seine Forderung: Die Daten aller Gewalttäter sollten automatisch an die Gewaltberatung weitergeleitet werden. Somit können die Sozialarbeiter mit jedem einzelnen Gefährdeten in Kontakt treten. Ob diese sich beraten lassen, liege am Ende bei ihnen selbst. Lehnen sie ab, werden ihre Daten wieder gelöscht.

Gesetzesänderung

Um dies umzusetzen, müsste das Sicherheitspolizeigesetz geändert werden. Dafür braucht Dalpra die Unterstützung des Parlaments. Die Grünen wollen nun einen entsprechenden Antrag einbringen, erklärt Justizsprecher Albert Steinhauser. Er hält fest, dass der Opferschutz in Österreich bereits sehr gut aufgestellt sei. Die Arbeit mit den Tätern fehle aber. „Das heißt nicht, dass wir Verständnis für deren Tat haben. Ziel ist die Prävention“, erklärt Steinhauser. Das Pilotprojekt in Vorarlberg habe gezeigt, dass es funktionieren kann und die Beratung gut angenommen wird. Um einen Effekt zu erzielen, müsse nur zeitnah zur Tat gehandelt werden. Dann nämlich hätten die Gewalttäter ihre eigene Tat noch nicht verdrängt oder kleingeredet.