Aufruhr nach US-Angriff in Syrien

07.04.2017 • 20:41 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Mit Bildern von Opfern demonstrieren Bürger in Khan Sheikhun wegen des Giftgasangriffs auf ihre Stadt vor wenigen Tagen.  Foto: afp
Mit Bildern von Opfern demonstrieren Bürger in Khan Sheikhun wegen des Giftgasangriffs auf ihre Stadt vor wenigen Tagen.  Foto: afp

Luftangriff versetzt die Welt in Aufregung. Russland reagiert mit scharfer Kritik.

damaskus. (VN) In der Nacht auf Freitag bombardierten die US-Streitkräfte die syrische Luftwaffenbasis Al-Shayrat in der Provinz Holms und feuerten insgesamt 59 Marschflugkörper ab. Nach syrischen Armeeangaben wurden bei dem US-Angriff mindestens sechs Menschen getötet, unter ihnen drei Militärangehörige. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur Sana sind auch neun Zivilisten ums Leben gekommen, darunter vier Kinder.

Der Luftangriff wurde von US-Präsident Donald Trump angeordnet. Seine Entscheidung war eine Vergeltungsmaßnahme für die mutmaßliche Giftgasattacke vom Dienstag auf die nordwestsyrische Kleinstadt Khan Sheikhoun, bei der nach Angaben von Aktivisten mindestens 86 Zivilisten getötet wurden. Der Westen macht die Regierung in Damaskus für den Giftgasangriff verantwortlich.

Mit der Bombardierung haben die USA ihre Politik in dem Bürgerkriegsland radikal geändert: Noch vergangene Woche hatte US-Außenminister Rex Tillerson betont, Assads Schicksal werde vom syrischen Volk bestimmt. Zugleich haben die USA eine schwere Krise mit Russland ausgelöst. Kremlchef Wladimir Putin verurteilte das Bombardement des Luftwaffenstützpunkts als Angriff auf die Souveränität Syriens, dazu noch mit einem erdachten Vorwand. Die syrische Armee habe keine Chemiewaffen mehr, das habe nach der Entwaffnung auch die zuständige UN-Organisation bestätigt. Russland setzte umgehend eine Vereinbarung mit dem US-Militär aus, nach der sich beide Länder über Militärflüge und Angriffe über Syrien informierten, und kündigte an, die syrische Luftabwehr zu verstärken. 

Auch Syriens Verbündeter Iran verurteilte den Angriff scharf. Saudi-Arabien, Erzrivale des Irans, begrüßte ihn hingegen als „mutige Entscheidung“ Trumps. Recep Tayyip Erdogan, Präsident von Syriens Nachbarland Türkei, sagte bei einem Wahlkampfauftritt in Hatay nahe der syrischen Grenze, der US-Angriff sei ein positiver Schritt gegen die „Kriegsverbrechen des Assad-Regimes“, die dieses mit chemischen und konventionellen Waffen verübe.

Verständnis für den US-Luftangriff zeigte Österreichs Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP). Er verstehe das militärische Eingreifen gegen das Flugfeld auch als „vorbeugende Maßnahme, um in Zukunft Giftgasangriffe zu verhindern“, sagte Kurz, verwies aber gleichzeitig auf die UN: „Während wir die Motivation der USA verstehen, liegt es in der Verantwortung des UN-Sicherheitsrats, derartige Maßnahmen zu beschließen und umzusetzen.“

Syriens Präsident Baschar al-Assad verurteilte den Einsatz als „rücksichtslos und unverantwortlich“.