Terroralarm nach Anschlag mit Lkw

07.04.2017 • 20:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Nachdem mit dem Laster Menschen niedergefahren wurden, lenkte ihn der Täter in ein Kaufhaus. Polizisten regeln das Chaos, das durch den Anschlag in der Einkaufsstraße verursacht wurde.   Fotos: Reuters, AFP
Nachdem mit dem Laster Menschen niedergefahren wurden, lenkte ihn der Täter in ein Kaufhaus. Polizisten regeln das Chaos, das durch den Anschlag in der Einkaufsstraße verursacht wurde.   Fotos: Reuters, AFP

Lastauto rast in Menschenmenge. Mehrere Tote. Schweden unter Schock.

stockholm. (VN-hrj) In Schwedens Hauptstadt ist am Freitagnachmittag ein Mann mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge gerast. Mindestens vier Personen wurden laut Polizei getötet, 15 weitere verletzt. Ein Verdächtiger wurde am Abend bereits festgenommen, trotzdem wurde auch danach fieberhaft weiter nach dem Fahrer des Lastwagens gefahndet. Ministerpräsident Stefan Löfven sagte, alles deute auf eine Terrortat hin: „Schweden wurde angegriffen.“

Der Täter raste mit dem anscheinend gekaperten Lastwagen kurz vor 15 Uhr in die Fußgänger, die sich an der Kreuzung der beiden Einkaufsstraßen Drottninggatan und Kungsgatan befanden. Anschließend lenkte er das Fahrzeug in das Kaufhaus „Ahlens City“. Die Polizei suchte daraufhin nach einem Mann, der zur fraglichen Zeit am Tatort beobachtet worden sein soll. Die Polizei zeigte Bilder, auf denen ein Mann in einer Kapuzenjacke zu sehen war.

Brauereifahrer überrumpelt

Der Lastwagen gehört Medienberichten zufolge der Brauerei Spendrups. Ein Sprecher sagte einem Radiosender, der Fahrer habe gerade ein Restaurant beliefern wollen. Er sei hinten am Laster gestanden, um ihn aufzuschließen, als ein Maskierter vorne in die Fahrerkabine gesprungen und weggefahren sei. Der Brauerei-Fahrer habe vergeblich versucht, den Mann zu stoppen. Die Ermittler hatten am Abend zwar angekündigt, den Fahrer zu befragen. Einzelheiten zum Hergang kurz vor der Tat machten sie jedoch nicht.

Über die genaue Opferzahl in Stockholm gab es zunächst unterschiedliche Angaben. In Medienberichten war von drei Toten und mehreren Verletzten die Rede. Die konkrete Zahl – vier Tote und 15 Verletzte, davon neun schwer – kommunizierte die Polizei erst am späten Abend.

„Ich habe Menschen gesehen, die mit einer Decke abgedeckt wurden“, erzählte eine Augenzeugin. Fernsehbilder zeigten, wie Menschen von der Straße flüchteten. Eine Frau sagte im Fernsehen, dass viele um sie herum „hysterisch“ waren. Kunden eines Modegeschäfts mussten aus Sicherheitsgründen in dem Laden bleiben.

Die Polizei rief die Bevölkerung auf, nicht ins Zentrum der schwedischen Hauptstadt zu fahren. Die Sicherheitskräfte zeigten erhöhte Präsenz und bewachten besonders gefährdete Plätze im ganzen Land. „Es ist wichtig für uns, eventuelle weitere Angriffe zu verhindern“, sagte ein Polizeisprecher. Medienberichte über Schüsse an verschiedenen Plätzen der Stadt bestätigten die Ermittler nicht.

Die Sicherheitskräfte riegelten wichtige Gebäude in der Innenstadt ab, darunter den Gebäudekomplex Rosenbad, Sitz der schwedischen Regierung, das Parlamentsgebäude (Reichstag) und das Königsschloss. Auch die Züge im Stockholmer Zentrum standen zwischenzeitlich still. Polizeihubschrauber kreisten über dem Zentrum, schwerbewaffnete Polizisten bezogen Stellung. Alle Kinos und viele Theater in Stockholm und Umgebung stellten ihr Abendprogramm ein. Am Abend ließ die Stadt Stockholm öffentliche Gebäude für Bürger öffnen, die aufgrund von Verkehrsbehinderungen nicht mehr nach Hause kommen konnten.