Stockholm setzt ein Zeichen gegen Gewalt

09.04.2017 • 20:41 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Seit dem Anschlag sind in Schweden mehr Polizisten auf den Straßen im Einsatz, vor allem in Stockholm.  FOTO: REUTERS
Seit dem Anschlag sind in Schweden mehr Polizisten auf den Straßen im Einsatz, vor allem in Stockholm. FOTO: REUTERS

„Liebeskundgebung“ am Anschlagsort.
Mutmaßlicher Täter sollte abgeschoben werden.

stockholm. (VN) Nach dem Lkw-Anschlag vom Freitag in Stockholm haben am Sonntag Tausende Menschen ein Zeichen gegen Gewalt und Terror gesetzt. Bei einer Kundgebung auf dem Sergels Torg – einem zentralen Platz in der schwedischen Hauptstadt – wurde der Todesopfer mit einer Schweigeminute gedacht.

Bei dem mutmaßlichen Terroranschlag wurden vier Menschen getötet und 15 verletzt. Zwei der Toten stammten den Behörden zufolge aus Schweden, die anderen beiden aus Großbritannien und Belgien. Geschlecht und Alter der Opfer gab die Polizei aus Rücksicht auf die Angehörigen nicht bekannt.

Absolute Stille

Immer mehr Menschen versammelten sich am Sonntagnachmittag auf dem Sergels Torg zu einer „Liebeskundgebung“. Der Platz ist nur einen Katzensprung von der belebten Einkaufsstraße Drottninggatan und somit vom Anschlagssort entfernt. Um 14.53 Uhr, der Uhrzeit des Attentats vom Freitag, herrschte auf dem Platz absolute
Stille. Viele nahmen sich in den Arm, manche weinten. Alle kamen hierher, um gemeinsam dem Terror zu trotzen.

Auch Schwedens Kronprinzessin Victoria und ihr Mann Daniel besuchten den Ort des Anschlags. Ganz in Schwarz gekleidet, legt die Thronfolgerin rote Rosen nieder.

Am Kaufhaus Ahlens hat das Geschehen deutliche Spuren hinterlassen. Hier war der Lkw zum Stehen gekommen. Er hatte die Fassade durchbrochen und einen Brand ausgelöst. Auf den Spanplatten, welche die zerstörte Wand abdecken, haben Besucher in verschiedenen Sprachen Botschaften geschrieben – etwa „Wir stehen zusammen“ oder „Gewalt mit Frieden bekämpfen“. Eine Schülerin hat Herzen als „Symbol der Liebe“ darauf gemalt. Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass der am Freitagabend festgenommene 39-jährige Usbeke der Mann ist, der mit einem Lkw in der Drottninggatan in eine Menschenmenge gerast war. Der Usbeke habe nach Angaben der Behördern Sympathien für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und andere „extreme Organisationen“ gezeigt und sich einer Abschiebung entzogen. 2014 habe er eine Aufenthaltsgenehmigung in Schweden beantragt, die 2016 abgelehnt wurde. Er sollte das Land verlassen, tauchte aber unter.

„Das frustriert mich“, sagte Schwedens Regierungschef Stefan Löfven am Sonntag bei einem Kongress seiner Sozialdemokratischen Arbeiterpartei in Göteborg und mahnte eine konsequentere Abschiebepraxis an. Ein Nein müsse eine Abschiebung zur Folge haben, sagte Löfven. „Wir müssen die Möglichkeiten verbessern, das durchzusetzen.“

500 Personen befragt

Die Polizei sucht indes weiter nach möglichen Helfern des mutmaßlichen Attentäters. „Ungefähr fünf“ Personen halte man derzeit fest, teilte Jan Evensson von der Stockholmer Polizei am Sonntag mit. Etwa 500 Menschen habe man befragt. Konkrete Hinweise auf weitere Anschläge gebe es nicht. Man arbeite eng mit Europol und Interpol zusammen.

Seit dem Anschlag sind in Schweden mehr Polizisten auf den Straßen im Einsatz, vor allem in Stockholm. Alle Ausreisenden werden an den Landesgrenzen kontrolliert. „Es wäre wohl nicht menschlich, keine Angst zu haben“, sagte Schwedens Innenminister Anders Ygeman, „aber das Leben muss bald wieder zur Normalität zurückkehren.“

Es wäre wohl nicht menschlich, keine Angst zu haben.

Anders Ygeman
Unzählige Menschen begaben sich am Sonntag zum Anschlagsort in der schwedischen Hauptstadt, um der Toten zu gedenken und dem Terror zu trotzen. Foto: AP
Unzählige Menschen begaben sich am Sonntag zum Anschlagsort in der schwedischen Hauptstadt, um der Toten zu gedenken und dem Terror zu trotzen. Foto: AP