Ausnahmezustand nach Terror gegen Christen

10.04.2017 • 20:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In der Mar Amina Kirche in Alexandria wurde am Montag eine Trauerfeier zum Gedenken an die Terror-Opfer abgehalten.  Foto: AP
In der Mar Amina Kirche in Alexandria wurde am Montag eine Trauerfeier zum Gedenken an die Terror-Opfer abgehalten. Foto: AP

Touristen sind nicht betroffen. IS bekennt sich zu Anschlägen in Kopten-Kirchen.

kairo. (VN) Am Montag um 13 Uhr ist in Ägypten der Ausnahmezustand in Kraft getreten, der drei Monate dauern soll. Präsident Abdel Fattah al-Sisi hatte das Verhängen des Ausnahmezustands bereits am Sonntagabend angekündigt, nachdem an dem Tag zwei verheerende Terrorangriffe auf die christliche Minderheit in Ägypten verübt worden waren. Das Kabinett hat dann nach einer Sitzung unter Führung des Ministerpräsidenten Scherif Ismail die Anordnung getroffen.

Der Beginn der für Christen wichtigen Tage der Osterzeremonien war blutig: Insgesamt wurden bei den Selbstmordattentaten in Kopten-Kirchen in Tanta und Alexandria mehr als 40 Menschen getötet und mehr als 120 verletzt.

Patriarch unverletzt

Die erste Detonation hatte die dicht gefüllte St.-Georgs-Kirche in Tanta erschüttert. Dabei wurden nach Behördenangaben mindestens 27 Menschen getötet und 78 verletzt.

Der zweite Anschlag zielte auf die Markus-Kathedrale in Alexandria, wo der koptische Patriarch Tawadros zuvor den Palmsonntagsgottesdienst gefeiert hatte. Dort gab es laut Innenministerium mindestens 17 Tote und 48 Verletzte. Der Patriarch blieb unverletzt. Zu den Anschlägen hat sich die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) bekannt und mit weiteren gedroht. Der Ausnahmezustand gibt den Sicherheitskräften und Ermittlungsbehörden des Landes noch mehr Freiheiten, als sie bisher bereits hatten. Das heißt, die ohnehin allgegenwärtige Präsenz der Sicherheitskräfte wird weiter zunehmen und Festnahmen ohne Haftbefehl und Hausdurchsuchungen ohne richterliche Anordnung sind möglich. Einschränkungen, die auch Touristen betreffen könnten – wie etwa eine abendliche Ausgangssperre –, sind derzeit nicht zu erwarten.

Schönborn betroffen

Der Großscheich der Al-Azhar-Moschee in Kairo, Ahmed al-Tajeb, verurteilte den Terror gegen Christen in seinem Land. „Bombenanschläge auf Unschuldige sind abscheulich“, sagte der Chef der weltweit wichtigsten sunnitschen Lehreinrichtung.

Betroffen reagierten österreichische Geistliche auf die Anschläge. „Jeder, der menschlich empfindet, kann nur zutiefst verabscheuen, wenn unschuldige Menschen während des Gebets und innerhalb heiliger Handlungen zum Ziel eines Anschlags werden“, sagte Kardinal Christoph Schönborn am Montag. Und der evangelische Bischof Michael Bünker schrieb in seinem Kondolenzschreiben an den in Österreich zuständigen koptischen Bischof Anba Gabriel: „Ihre Ängste sind unsere Ängste, Ihre Bedrohung ist unsere Bedrohung. In diesem Schrecken und Leiden feiern wir gemeinsam Ostern.“

Ihre Ängste sind unsere Ängste. In diesem Schrecken und Leiden feiern wir gemeinsam Ostern.

Bischof Michael Bünker

Chronologie

Angriffe auf Christen

in Ägypten seit 2016:

Mai 2016: Eine Gruppe Muslime plündert sieben Häuser von Christen in der Stadt Al-Minya und steckt dann die Gebäude in Brand.

Juli 2016: Mehrere Muslime erstechen nach einem Streit einen 27 Jahre alten koptischen Christen in Al-Minya.

Dezember 2016: Bei einem Bombenanschlag während der Sonntagsmesse in einer Kapelle der Markus-Kathedrale in Ägyptens Hauptstadt Kairo sterben 30 Menschen. Dutzende werden verletzt. Der IS reklamiert die Tat für sich.

Februar 2017: Nachdem eine sich zum IS bekennende Gruppe innerhalb eines Monats auf der Sinai-Halbinsel sieben Christen getötet hatte, verlassen Hunderte Christen die Region.

April 2017: Bei zwei Selbstmordanschlägen in Kopten-Kirchen in Alexandria und Tanta während der Palmsonntagsmessen kommen über 40 Menschen ums Leben, 126 werden verletzt.