Dortmund-Anschlag gibt weiter Rätsel auf

13.04.2017 • 20:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Einheiten der Polizei bewachen nach dem Attentat das Trainingsgelände der Mannschaft.  Foto: dpa
Einheiten der Polizei bewachen nach dem Attentat das Trainingsgelände der Mannschaft. Foto: dpa

Beide Verdächtigen sollen nichts mit dem Attentat zu tun haben. Trotzdem gibt es einen Haftbefehl.

dortmund. (VN) Nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus des deutschen Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund (BVB) hat sich die Hoffnung auf einen raschen Fahndungserfolg nicht erfüllt. Die Bundesanwaltschaft räumte am Donnerstag ein, keine Beweise gegen die beiden Tatverdächtigen zu haben. Demnach blieben die Hintergründe des Attentats mit zwei Verletzten weiter im Dunkeln.

Mögliches IS-Mitglied

Der Generalbundesanwalt in Karlsruhe geht von einem terroristischen Hintergrund aus. Wie eine Sprecherin mitteilte, sei das aber nicht zwingend. Der Innenminister des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen, Ralf Jäger, hält es auch für möglich, dass gewaltbereite Fußballfans hinter der Tat stecken. Trotzdem beantragte die Bundesanwaltschaft am Donnerstag Haftbefehl gegen einen der beiden Verdächtigen. Zwar hat die Behörde keine Beweise für eine Tatbeteiligung des 26-jährigen Irakers. Ihm wird aber die Mitgliedschaft in der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vorgeworfen. Demnach soll der Mann im Irak eine zehnköpfige Einheit angeführt und auch selbst gekämpft haben. Die Gruppe habe Entführungen, Verschleppungen, Erpressungen und auch Tötungen vorbereitet, hieß es. Im März 2015 reiste der Iraker nach Angaben der Bundesanwaltschaft in die Türkei, von wo er Anfang 2016 wieder nach Deutschland zurückkehrte und dann weiter Kontakt zu IS-Mitgliedern gehabt habe.

Der Verdacht gegen einen 28-jährigen Deutschen wurde fallengelassen. Es gebe keine Hinweise für dessen Verwicklung in das Attentat, sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft. Die Wohnungen der beiden Männer wurden durchsucht.

Am Dienstagabend waren drei Sprengsätze mit Metallstiften nahe dem Mannschaftsbus von Borussia Dortmund detoniert. Der spanische BVB-Verteidiger Marc Bartra und ein Polizist wurden dabei verletzt. „Die Sprengkraft war enorm“, sagte Nordrhein-Westfalens Innenminister Jäger. Die Polizei fand nahe des Tatorts drei gleichlautende Bekennerschreiben mit islamistischem Inhalt.

Der BVB war auf dem Weg zum Champions-League-Heimspiel gegen den AS Monaco. Die abgesagte Partie wurde bereits am Mittwochabend nachgeholt. Die Dortmunder verloren 2:3. Trainer Thomas Tuchel kritisierte die rasche Neuansetzung des Spiels heftig. „Wir wurden überhaupt zu keiner Zeit gefragt“, sagte er. Die Europäische Fußball-Union UEFA wies die Vorwürfe zurück: „UEFA war am Mittwoch mit allen Parteien in Kontakt und hat niemals eine Information erhalten, die angedeutet hat, dass eines der Teams nicht spielen wollte.“

Mehr Schutzmaßnahmen

Rund um das Spiel blieb es nach Polizeiangaben vergleichsweise ruhig. Hunderte Beamte sorgten für Sicherheit. Unter besonderen Schutz gestellt werden nun die  deutschen Bundesligaheimspiele von Dortmund und Bayer Leverkusen am Wochenende. „Wir werden mit starken Kräften vor Ort sein“, sagte Dortmunds Polizeisprecher Gunnar Wortmann zur Partie am Samstagnachmittag gegen Eintracht Frankfurt. Beim Samstagabendspiel Bayer Leverkusen gegen Bayern München werden die Sicherheitsmaßnahmen ebenfalls erhöht.