Häupl will es noch einmal wissen

13.04.2017 • 20:33 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Nachfolge von Michael Häupl ist noch nicht geklärt.  Foto: APA
Die Nachfolge von Michael Häupl ist noch nicht geklärt. Foto: APA

Seinen Rücktritt hat der Wiener vertagt. So kann er seine Nachfolge klären.

Wien. (joh) Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) zelebriert Wienerisch für Fortgeschrittene. Das bedeutet, dass man das Gesagte nicht allzu wörtlich nehmen darf; ein bisschen Augenzwinkern ist immer dabei: In einem TV-Interview sagte Häupl vor der Karwoche, er werde „maximal drei Monate“ nach der Nationalratswahl zurücktreten, während er gegenüber einer Zeitung wenig später relativierte, „ob es dann drei oder vier Monate sind, ist ja wurscht“. So gesehen könnten es auch fünf werden. Möglich ist alles, ausgeschlossen gar nichts.

Für den 67-Jährigen ist entscheidend, dass er soeben Zeit dafür gewonnen hat, seine Nachfolge zu regeln: Zuletzt war er ja aus den eigenen Reihen kritisiert worden, wie kein SPÖ-Vorsitzender der Bundeshauptstadt vor ihm. Mehrere Genossen forderten seinen Rücktritt. Sie hatten auch schon einen Nachfolger: Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (56). Zur Rochade hätte es auf einem Parteitag Ende April kommen sollen. Doch das konnte ­Häupl verhindern: Kanzler Christian Kern habe ihn gebeten, zu bleiben und im Nationalratswahlkampf mitzuwirken, verkündete er. Zusatz: Er habe zugesagt. Da konnten seine Gegner nicht mehr viel machen.

Zumal Häupl sie dann eben auch noch mit dem Hinweis besänftigte, dass er irgendwann nach dem Urnengang sicher gehen werde. Dass Ludwig dann zum Zug kommt, ist nicht ausgeschlossen. Sicher ist es nicht, spaltet er doch die Wiener Sozialdemokratie. Grund: Anders als die meisten Linken in ihren Reihen ist er für eine Annäherung an die Freiheitlichen. Selbst in seiner eigenen Bezirksorganisation stehen nicht alle hinter ihm; davon zeugt eine Versammlung Anfang April, die Teilnehmern zufolge sehr turbulent war.

Suche nach Kronzprinzen

Die Wiener SPÖ steckt damit in einem Dilemma: Mit Michael Häupl geht es nach gut einem Vierteljahrhundert nicht mehr lange; und mit Michael Ludwig droht die Spaltung. Immerhin betrachtet es Häupl dem Vernehmen nach jedoch als seine letzte Aufgabe, das zu lösen. Erster Schritt: Er hat Ludwig nicht die nötige Unterstützung für seine Nachfolge gegeben; damit wird es schwierig für diesen. Zweiter Schritt: ­Häupl macht sich spät aber doch daran, Kronprinzen aufzubauen.

Favorit ist Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (40). Er ist relativ jung, smart und genießt Sympathien in allen Parteilagern. Und er ist zwar im Burgenland geboren und in der Steiermark aufgewachsen. So etwas ist in Wien aber kein Hindernis: Die Co-Favoritin, Umweltstadträtin Ulli Sima (48) kommt aus Kärnten und Häupl höchstpersönlich ist einst aus Niederösterreich zugewandert.