USA prüfen Präventivschlag

14.04.2017 • 20:33 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Machtdemo in Pjöngjang: Bei einer Militärparade tragen nordkoreanische Soldaten mit dem Nuklearzeichen versehene Ausrüstung.  Foto: afp
Machtdemo in Pjöngjang: Bei einer Militärparade tragen nordkoreanische Soldaten mit dem Nuklearzeichen versehene Ausrüstung.  Foto: afp

Trump provoziert mit Tweets. Nordkorea droht mit Krieg. China warnt vor Eskalation. 

washington, pjöngjang. (VN) Die Spannungen zwischen den USA und Nordkorea steigen. In Erwartung eines neuen nordkoreanischen Atomwaffentests erwägen die USA eine mögliche militärische Reaktion. „Militärische Optionen“ würden bereits geprüft, sagte ein außenpolitischer Berater des Weißen Hauses am Freitag.

Unter Berufung auf mehrere Mitarbeiter von US-Geheimdiensten berichtete der US-Fernsehsender NBC, dass die USA darauf vorbereitet seien, einen Präventivschlag auszuführen, sollten sie davon überzeugt sein, dass Pjöngjang einen weiteren Atomtest vornehmen wolle. Zwei US-Zerstörer mit Marschflugkörpern halten sich demnach in der Nähe der koreanischen Halbinsel auf. Einer davon sei etwa 480 Kilometer vom Atomtestgelände entfernt. Der Bericht wurde offiziell zwar nicht bestätigt, von Beobachtern aber als „Angstmacherei“ beschrieben.

Zudem provoziert US-Präsident Donald Trump mit aggressiven Tweets und sorgt damit in Nordkoreas Regierung für Unmut. Am Dienstag hatte Trump getwittert, Nordkorea „suche nach Ärger“. Sollten die USA das provozieren, „werden wir in den Krieg ziehen“, reagierte der nordkoreanische Vize-Außenminister Han Song Ryol. Pjöngjang werde im Fall eines US-Präventivschlags nicht die Arme verschränken. Und wenn das oberste Hauptquartier es passend finde, werde das Land den nächsten Test von Atomwaffen durchführen. Beobachter gehen davon aus, dass Nordkorea einen brauchbaren Atomsprengkopf und ballistische Raketen, die diesen bis in die USA transportieren können, in den kommenden Jahren entwickeln kann.

Trump will nun China dazu bewegen, die Schrauben gegenüber seinem Nachbarn fester anzuziehen. Via Twitter schrieb der US-Präsident: „Ich bin sehr zuversichtlich, dass China angemessen mit Nordkorea umgehen wird. Wenn sie dazu nicht in der Lage sind, werden die Vereinigten Staaten es mit ihren Verbündeten sein.“

Chinas Außenminister reagierte darauf, indem er vor einer Eskalation im Konflikt um Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm warnte, alle Beteiligten zur Zurückhaltung mahnte und zu einer Rückkehr an den Verhandlungstisch aufrief. „Wir fordern ein Ende der Provokationen und Drohungen, bevor die Lage nicht mehr zu retten ist“, sagte Chinas Außenminister Wang Yi am Freitag in Peking. Er warb für seinen Vorschlag eines zweigleisigen Vorgehens, wonach Nordkorea zunächst seine Atom- und Raketenaktivitäten einfriert und die USA und Südkorea im Gegenzug ihre gemeinsamen großen Militärmanöver aussetzen.

„Millionen von Leichen“

Für den Fall eines Krieges befürchtet Rüdiger Frank, Nordkorea-Experte und Leiter des Ostasieninstituts der Universität Wien, verheerende Konsequenzen. „Am Ende wird die koreanische Halbinsel ein rauchendes Trümmerfeld mit Millionen von Leichen sein, von den geopolitischen Konsequenzen ganz zu schweigen“, sagte Frank. Die Gefahr eines bewaffneten Konflikts sei gestiegen. Dabei wäre Nordkorea nach seiner Überzeugung bereit, über sein umstrittenes Atomprogramm zu verhandeln. Dazu müsse der Westen aber verstehen, dass Pjöngjang bestimmte Garantien brauche.