Haudrauf-Trump

17.04.2017 • 20:52 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Verständliche Reaktionen sind nicht immer vernünftig. Und sie können schlimme Folgen haben. Das aktuellste Beispiel ist der impulsiv agierende Haudrauf-Präsident Donald Trump, der seine Überzeugungen öfter wechselt, als die meisten Menschen ihre Unterwäsche.

Um amerikanischer Führer der Nation zu werden, hatte er dem Wahlvolk strikte US-Abstinenz von militärischen Reinmache-Aktionen in fremden Ländern versprochen. Dass er anschließend verkündete, “die Scheiße aus der ISIS zu bomben” (wörtliches Trump-Zitat), fiel dann nicht besonders auf. Kaum im Amt, ging dem “America-first”-Präsidenten innenpolitisch alles schief, und seine ohnehin schwächelnden Popularitätswerte sanken auf Keller-Niveau. Viele Freunde und erst recht seine Widersacher machten ein Manko an präsidialen Geistesgaben aus.

Vielleicht deshalb und inzwischen allseits bekannt, hatte Trump daraufhin zum Befreiungsschlag ausgeholt. Zur Strafe dafür, dass der syrische Völkermord-Diktator Assad sein eigenes Volk wieder einmal mit Giftgasbomben malträtierte, ließ Trump einen syrischen Militärflughafen mit 49 Marschflugkörper-Raketen bepflastern. Was nicht nur beim US-Volk Jubel auslöste und dem Präsidenten einen gehörigen Popularitätsschub einbrachte. Auch führende EU-Politiker und jeder zweite EU-Normal-Europäer bekundete ein erleichtertes „Recht so“. Strafen für widerwärtige Massenmörder gutzuheißen, ist schließlich eine ganz normale menschliche Regung.

Das weiß auch der nach Beifallsstürmen und nach Anerkennung lechzende Präsident der Terror-verängstigten US-Nation. Wohl deshalb knöpfte er sich als nächstes die Schreckenstypen der ISIS vor. Über einem ihrer Hauptrückzugsgebiete in Afghanistan ließ er eine gigantische MOAB-Bombe abwerfen. Eine „Massive Ordonance Air Blast“-Bombe, auch „Mother of all bombs“ genannt, die laut Pentagon „nach Sprengkraft stärkste nicht nukleare Bombe im US-Arsenal“. Militärisch verändert das die Lage in Afghanistan nicht, sagen die Pentagon-Militärs. Es sei „ein politisches Signal“ gewesen.

Und jetzt warten wir mal auf die Reaktion des geschätzten Publikums. Neue internationale Beifallsstürme, weil es ja „die Richtigen“ getroffen hat? Von den „Kollateralschäden“, den zivilen Opfern, mal abgesehen? Und wenn Präsidentendarsteller Trump wieder einen „Kick“ braucht, wenn er seiner Beliebtheit auf die Sprünge helfen will, wenn er einen „Erfolg“ sucht oder von innenpolitischen Niederlagen ablenken will? Dann ist es mit der stärksten nicht nuklearen Bombe womöglich nicht länger getan. Der nächste „dicke Hammer“ wäre dann der nukleare.

Mit der von Trump verfügten Entsendung einer US-Seekampfgruppe vor die Küste der Nuklearmacht Nordkorea hat ein mögliches Eskalations-Vorspiel schon begonnen. Denn mit was muss gerechnet werden, wenn einer beiden Kontrahenten „durchdreht“? Der buchstäblich unberechenbare US-Präsident oder der noch unberechenbarere nordkoreanische Atomraketen-Bubi? Ein Grund für Freude oder Befriedigung ist die gegenwärtige Bombeneskalation wegen der drohenden Folgen jedenfalls nicht. Und Vernunft sieht anders aus.

Kaum im Amt, ging dem Präsidenten alles schief und seine Popularitätswerte sanken auf Keller-Niveau.

Peter W. Schroeder, Washington