Jeder fünfte Jugendliche in der Schule schikaniert

19.04.2017 • 20:19 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Jeder fünfte Schüler wird regelmäßig gemobbt. Laut OECD kann sich das auf die Leistung auswirken.  APA
Jeder fünfte Schüler wird regelmäßig gemobbt. Laut OECD kann sich das auf die Leistung auswirken.  APA

Pisa-Studie: Mobbing ist weit verbreitet. OECD-Bildungsdirektor fordert „Null-Toleranz-Praxis“.

Wien. „Für manche ist die Schule ein Ort der Qual.“ Zu diesem Schluss kommt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) angesichts der jüngsten Pisa-Studie zum Lernumfeld der Schüler. Diese zeigt, dass jeder fünfte Jugendliche in Österreich zumindest ein Mal pro Monat in der Schule gemobbt wird. Mobbing sei kein Randphänomen, reagierte OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher auf die Ergebnisse. Er ortet erheblichen Handlungsbedarf. 

Schlechtere Leistungen

Mobbingopfer würden insgesamt weniger Lebensfreude empfinden, aber auch ein geringeres Zugehörigkeitsgefühl. Zudem sei das Lernklima für sie oft so schlecht, dass sich die Schikanen an der Schule auf ihre Leistungen auswirken, heißt es in der Studie.

In Österreich gaben zwölf Prozent der befragten 15-Jährigen an, dass man sich in der Schule häufig über sie lustig macht. Über acht Prozent wurden oft gemeine Gerüchte verbreitet, sechs Prozent fühlen sich oft ausgeschlossen. Fünf Prozent der Schüler berichteten, dass ihnen schon Dinge weggenommen oder diese zerstört wurden. OECD-Bildungsdirektor Schleicher empfiehlt einen „Anti-Mobbing-Kampf“ mit einer „Null-Toleranz-Praxis“. Um das psychische und physische Spießrutenlaufen an den Schulen zu verhindern, müssten alle Schüler, Eltern, Lehrer und Schulleitungen involviert werden. Wer das Thema alleine den Schulpsychologen und Sozialarbeitern überlasse, schiebe es nur weg, erklärt er. In Vorarlberg möchte Bildungslandesrätin Bernadette Mennel (ÖVP) neben Beratungs- und Kriseninterventionslehrern vor allem auf Prävention setzen. Der zuständige Landesschul­inspektor Christian Kompatscher arbeite bereits daran, die Maßnahmen weiter zu verbessern. 

Die Pisa-Studie zeigt aber nicht nur Negatives. Grundsätzlich sind die Jugendlichen mit ihrer Schule zufrieden. Auf einer Skala von Null bis Zehn bewerteten sie diese im Schnitt mit 7,5 Punkten. 76 Prozent fühlen sich an ihrer Schule wohl. 47 Prozent der österreichischen Jugendlichen gaben an, „einer der Besten in meiner Klasse“ sein zu wollen. Der OECD-Schnitt liegt in dieser Frage mit 59 Prozent allerdings deutlich höher.