Der blutige Machtkampf in Venezuela eskaliert

Politik / 20.04.2017 • 21:12 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Bei den Protesten gegen Maduro nimmt die Gewalt immer mehr zu.  AP
Bei den Protesten gegen Maduro nimmt die Gewalt immer mehr zu.  AP

Kein Ende der Massenproteste gegen Präsident Maduro in Sicht. Er glaubt an eine Verschwörung.

caracas. (VN) In Venezuela wächst die Sorge vor einem Bürgerkrieg. Bei neuen Demonstrationen gegen eine drohende Diktatur hat die Polizei Tränengas eingesetzt, um die Menschen zu vertreiben. Vor allem in der Hauptstadt Caracas forderten Tausende am Donnerstag Neuwahlen und ein Ende der sozialistischen Politik von Präsident Nicolas Maduro.

Bereits am Vortag war es zu Massenprotesten gekommen. Dabei kamen drei Menschen ums Leben. Nach Angaben der Behörden kam es zu über 400 Festnahmen. Maduro rief seine Anhänger zur „Verteidigung des Vaterlandes“ auf. Die Opposition beschuldigte er, mit den USA eine Verschwörung anzetteln zu wollen.

Das Militär befindet sich in Alarmbereitschaft, die 500.000 Mitglieder der Nationalen Miliz sollen mit Gewehren ausgerüstet werden. Die Reservistentruppe war nach dem Putschversuch 2002 gegen den früheren Staatschef Hugo Chávez aufgestellt worden.

Ein 17-Jähriger war am Mittwoch in Caracas von einem Schuss in den Kopf getroffen worden, er verstarb im Spital. In San Cristóbal kam eine 23-Jährige durch einen Kopfschuss ums Leben. Die Opposition macht Milizen der Sozialisten für die Taten verantwortlich. Auch ein Mitglied der Nationalgarde wurde erschossen, die Regierung gab militanten Demonstranten die Schuld dafür. Seit Ausbruch der Proteste im April sind neun Menschen gestorben.

Opposition will Neuwahl

Die Opposition drängt auf Neuwahlen und macht Maduro für die politische und ökonomische Krise verantwortlich. Seit 1999 wird das Land von den Sozialisten regiert. Trotz großer Ölvorkommen ist es in seine bisher schlimmste Versorgungskrise geschlittert. Im Parlament hat ein Bündnis aus konservativen, liberalen, sozialdemokratischen und indigenen Parteien eine Mehrheit, ist aber de facto wirkungslos. Der von den Sozialisten dominierte Oberste Gerichtshof hob immer wieder Entscheidungen auf. Maduro versucht, mit Dekreten am Parlament vorbei zu regieren. Es gilt der Ausnahmezustand.