„Die Lage wird sehr angespannt sein“

21.04.2017 • 20:55 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Pascal Deloche sorgt sich um die Zukunft seiner Heimat. godong
Pascal Deloche sorgt sich um die Zukunft seiner Heimat. godong

Journalist Pascal
Deloche sieht Frankreich-Wahl skeptisch entgegen.

ST. GERVAIS-LES-BAINS. (VN-hrj) „Man hat das Gefühl, dass Frankreich auf dem Kopf steht“, sagt Pascal Deloche. Der 55-jährige, aus Paris stammende Journalist, Buchautor und Fotograf wohnt seit rund zwei Jahren in Saint-Gervais-les-Bains, einer Gemeinde am Mont Blanc im Département Haute-Savoie. Paris habe er verlassen, weil sich die Situation in der Hauptstadt in den vergangenen Jahren drastisch verschlechtert habe. „Unsicherheit, Umweltverschmutzung, Staus, Drogen, hohe Steuern“, nennt Deloche Beispiele. Ursache sei die politische Entwicklung in Frankreich unter der Regierung des Sozialisten François Hollande. „Das war katastrophal und hat Frankreich degradiert“, meint Deloche.

Den Wahlen am Sonntag sieht der Journalist mit Skepsis entgegen. Erstaunt habe ihn der Aufstieg des Präsidentschaftskandidaten Jean-Luc Mélenchon: „Er ist ein ausgezeichneter Schauspieler und Redner, aber sein Programm schaut gleich aus wie das von Marine Le Pen.“ Viele Franzosen sähen in dem Sozialisten einen charmanten Romantiker mit revolutionärer Seite. „Aber kommt Mélenchon an die Macht, wird Frankreich wie Venezuela.“

Gewinnt Emmanuel Macron, der für den Wahlkampf die Partei „En Marche!“ gegründet hat, die Wahlen, „wird er ein Problem haben, eine stabile Mehrheit zu halten. Aber er ist jung und stellt uns Franzosen eine neue Richtung in Aussicht.“  

Die Chefin der rechten Partei Front National, Marine Le Pen, wagt sich Deloche nicht als Frankreichs Präsidentin vorzustellen. „Siegt sie, werden die Probleme so groß, dass Frankreich explodieren könnte.“ Siegt der konservative Republikaner François Fillon, „werden die Linken und die Gewerkschaften demonstrieren und das Land blockieren“.

Frankreichs Zukunft sieht Deloche eher düster: „Die Lage wird in den kommenden Jahren sehr angespannt sein. Das Land ist nämlich unregierbar geworden.“