Stichwahl in Frankreich als Duell um Europa

24.04.2017 • 20:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Macron jubelt vor begeisterten Anhängern in Paris über seinen Sieg in der ersten Wahlrunde. Foto: AFP
Macron jubelt vor begeisterten Anhängern in Paris über seinen Sieg in der ersten Wahlrunde. Foto: AFP

Umfragen sehen Macron als klaren Favorit. Andere Parteien mobilisieren gegen Le Pen.

paris. (VN) Frankreich steht mit dem Duell zwischen der Rechtspopulistin Marine Le Pen und dem sozialliberalen EU-Freund Emmanuel Macron vor einer Abstimmung über Europa. Die beiden Politiker gehen am 7. Mai in die Stichwahl. Vielerorts ist der Erfolg von Macron in der ersten Wahlrunde am Sonntag mit Erleichterung aufgenommen worden.

Kommission mischt sich ein

Die EU-Kommission stellte sich in einem für sie ungewöhnlichen Schritt auf die Seite des unabhängigen Kandidaten Macron. In Frankreich gebe es eine Entscheidung „zwischen der Verteidigung dessen, was Europa verkörpert, und einer Option, die auf die Zerstörung Europas abzielt“, sagte ein Sprecher von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Montag. Juncker hatte Macron noch am Sonntagabend kontaktiert und ihm zum Sieg in der ersten Wahlrunde gratuliert. Eigentlich mischt sich die Kommission nicht in Wahlen in den Mitgliedsstaaten ein. Während der anstehenden Wahlkampagne will sich die Brüsseler Behörde zurückhalten.

Führende französische Sozialisten und Konservative sicherten Macron Unterstützung zu. Darunter sind auch die unterlegenen Kandidaten Francois Fillon und Benoît Hamon. Fillon sagte über Le Pen: „Es gibt keine andere Wahl, als gegen die Rechtsextreme zu stimmen.“ Auch der scheidende Amtsinhaber Francois Hollande rief zur Wahl Macrons auf. Le Pens Wahlprogramm für einen Austritt aus dem Euro würde die Wirtschaft des Landes ruinieren und die französische Freiheit gefährden, erklärte er im Élysée-Palast.

Nach den fast vollständigen Ergebnissen vom Montagvormittag lag Macron gut zwei Prozentpunkte vor Le Pen. Dem Innenministerium zufolge verzeichnete der Kandidat knapp 23,9 Prozent. Seine Kontrahentin kam auf 21,4 Prozent. Der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon erreichte rund 19,6, Fillon knapp 20 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei gut 78 Prozent und damit höher als erwartet. Etwa 47 Millionen Franzosen waren zur Wahl des Nachfolgers von Hollande aufgerufen. Macron geht als klarer Favorit in die Stichwahl. Den Umfragen zufolge kann er Le Pen mit mehr als 60 Prozent der Stimmen schlagen.

Le Pen zuversichtlich

Die Rechtspopulistin verurteilte das Bündnis um ihren Rivalen Macron scharf. Bei einem Wahlkampfauftritt sagte sie, nun schare sich „die alte verdorbene republikanische Front“, die niemand mehr wolle, um den sozialliberalen Politiker. Sie selbst gehe „voller Hoffnung und Dynamik“ in die Stichwahl. Die 48-jährige Politikerin des rechtsextremen Front National (FN) erzielte am Sonntag so viele Stimmen wie noch nie in der Geschichte der Partei. 2002 war bereits ihr Vater Jean-Marie Le Pen überraschend ins Finale gekommen. Dabei unterlag er jedoch klar dem Konservativen Jacques Chirac.

Macron, der seine Bewegung „En Marche!“ (auf deutsch: „In Bewegung“) erst vor einem Jahr gegründet hat, präsentiert sich als neue Kraft der Mitte. Gewinnt der 39-Jährige die Stichwahl, wäre er der jüngste Präsident in der Geschichte des Landes. Der Wahlkampf war geprägt von Skandalen und Überraschungen. Gegen Ende spielte der Anti-Terror-Kampf eine große Rolle. Am Donnerstag hatte ein 39-Jähriger in Paris Polizisten angegriffen und einen Beamten getötet.