Mögliches Netzwerk um Manchester-Angreifer

Politik / 24.05.2017 • 23:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
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22-jähriger Attentäter war Geheimdienst bekannt. Drei weitere Festnahmen.

manchester. (VN) Nach dem Anschlag im nordenglischen Manchester mit 22 Todesopfern geht die Polizei von einer Unterstützungsgruppe rund um den Selbstmordattentäter aus. „Ich glaube, es ist ganz klar, dass es sich um ein Netzwerk handelt, dem wir nachgehen“, sagte der Polizeichef der Stadt, Ian Hopkins, am Mittwoch. Zuvor erklärte die britische Innenministerin Amber Rudd, die Ausführung des Angriffs sei anspruchsvoller gewesen „als einige der Anschläge, die wir davor erlebt haben“. Die Ermittler machen den 22-jährigen Salman Abedi für die Tat verantwortlich. Er war nach Angaben Rudds dem britischen Geheimdienst bekannt.

20 Verletzte in Lebensgefahr

Abedi hatte sich den Behörden zufolge am Montagabend in die Luft gesprengt, als Konzertbesucher nach einem Auftritt von US-Sängerin Ariana Grande aus der Manchester Arena strömten. Unter den Todesopfern sind viele Jugendliche und Kinder, darunter ein achtjähriges Mädchen. Auch eine Polizistin, die das Konzert privat besuchte, starb, ebenso ein polnisches Paar, das seine beiden Töchter abholen wollte. Österreicher sind laut derzeitigen Informationen nicht unter den Opfern. Der Chef der Gesundheitsbehörde des Großraums Manchester, Jon Rouse, erklärte, insgesamt würden noch 64 Verletzte in Spitälern behandelt. 20 Menschen befinden sich in kritischem Zustand. Einem deutschen Arzt zufolge, der in der Stadt arbeitet, enthielt die selbst gebaute Bombe des Attentäters Nägel.

Die Polizei in Manchester nahm am Mittwoch während des Tages drei weitere Männer im Zusammenhang mit dem Attentat fest. Bereits am Vortag hatte sie einen 23-Jährigen gefasst. Bei ihm soll es sich um den Bruder des Angreifers handeln. Am Mittwochabend wurde außerdem eine Frau festgenommen. Die Verdächtige sei bei einer Razzia im Stadtviertel Blackley festgenommen worden, erklärte die Polizei. Den Namen und das Alter der Frau nannte die Polizei zunächst nicht. Damit steigt die Zahl der Festgenommenen in Verbindung mit der Attacke auf insgesamt acht, darunter auch ein in Libyen festgenommener Bruder des Attentäters und sein Vater. Abedi war ein Sohn lybischer Flüchtlinge, der 1994 in Manchester geboren wurde. Nach Angaben des französischen Innenministers Gérard Collomb, der sich auf britische Ermittler berief, war der 22-Jährige in Syrien und unterhielt Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Der Mann habe sich „nach einer Reise nach Libyen und dann wahrscheinlich nach Syrien radikalisiert“, sagte Collomb dem Sender BFMTV. Die Verbindungen zum IS seien erwiesen. Die britische Innenministerin Rudd betonte allerdings, dass eine Verbindung zur Terrormiliz erst untersucht werden müsse. Der IS hatte sich über sein Sprachrohr Amaq zu der Tat bekannt.

Höchste Terrorwarnstufe

Der Anschlag ist der schwerste in Großbritannien seit 2005. Damals hatten sich vier Selbstmordattentäter in Londoner U-Bahn-Zügen und in einem Bus in die Luft gesprengt. 52 Menschen kamen ums Leben, es gab rund
700 Verletzte. Am späten Dienstagabend wurde erstmals seit zehn Jahren die höchste Terrorwarnstufe im ganzen Land ausgerufen. Rudd zufolge sind 3800 Soldaten im Einsatz, um Polizisten zu entlasten. In London wurden zunächst knapp 1000 Soldaten auf die Straßen geschickt.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen und sein slowenischer Amtskollege Borut Pahor verurteilten den Anschlag in einer gemeinsamen Erklärung, die sie in Ljubljana verlasen, als „grausame und hinterhältige Terrorattacke“. Auch Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) erinnerte während eines Besuchs in Ägypten daran, „wie nahe uns das Problem des Terrorismus gerückt ist“.

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Großbritannien unter Schock: Trauernde legen in Manchester Blumen für die Todesopfer nieder. Foto: AFP
Großbritannien unter Schock: Trauernde legen in Manchester Blumen für die Todesopfer nieder. Foto: AFP