Leben für ein geeintes Europa

Politik / 01.06.2017 • 22:34 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Alois Mock ist in einer Zeit politisch gestaltend gewesen, als der Eiserne Vorhang gefallen ist. Er hat auch einen wichtigen Beitrag für Österreichs Beitritt zur EU geleistet. Alois Mock hat sich bedeutende Verdienste um unser Land erworben. 
               Christian Kern, Kanzler (SPÖ)

Alois Mock ist in einer Zeit politisch gestaltend gewesen, als der Eiserne Vorhang gefallen ist. Er hat auch einen wichtigen Beitrag für Österreichs Beitritt zur EU geleistet. Alois Mock hat sich bedeutende Verdienste um unser Land erworben.

Christian Kern, Kanzler (SPÖ)

Alois Mock – „Mr. Europa“ – ist gestern im Alter von 82 Jahren verstorben.

Wien. Mit Alois Mock hat die ÖVP eine ihrer Ikonen verloren. Der ehemalige Parteiobmann und Außenminister verstarb am Donnerstag 82-jährig nach langer Krankheit. Als einer der Väter der österreichischen EU-Mitgliedschaft galt der Niederösterreicher als „Mr. Europa“ der Partei; der EU-Beitritt Österreichs 1994 gilt auch als Mocks größter Erfolg. Der Partei stand er insgesamt zehn Jahre lang vor.

Aus der Politik verabschiedet hat sich Mock bereits 1999, als er aus dem Nationalrat ausschied. Dennoch ist der langjährige ÖVP-Politiker der Öffentlichkeit in Erinnerung geblieben wie wenige andere – etwa mit dem symbolträchtigen Bild vom Schnitt durch den Eisernen Vorhang – gemeinsam mit Ungarns Außenminister Gyula Horn drei Monate vor der Grenzöffnung im Juni 1989. Oder mit dem berühmten „Busserl“, das der damalige ÖVP-Außenminister beim Abschluss der EU-Beitrittsverhandlungen Anfang März 1994 der verdutzten SP-Europastaatssekretärin Brigitte Ederer auf die Wange drückte.

Persönlicher Triumph

Der EU-Beitritt war für Mock auch ein später persönlicher Triumph: 1989 hatte der Außenminister das österreichische Beitrittsgesuch eingebracht, nach seiner Rückkehr von der letzten Verhandlungsrunde stilisierte ihn die ÖVP zum „Helden von Brüssel“. Am 12. Juni 1994, zwei Tage nach Mocks 60. Geburtstag, votierten bei einer Volksabstimmung zwei Drittel der Österreicher für die EU-Mitgliedschaft – der zweifellos größte Erfolg in der 30-jährigen Politkarriere des Niederösterreichers, in der Sieg und Niederlage oft nur knapp nebeneinander lagen.

Seinen Einstieg in die Politik verdankte Mock Josef Klaus. Der Kanzler der letzten ÖVP-Alleinregierung von 1966 bis 1970 holte den jungen Juristen von der österreichischen OECD-Vertretung in Paris nach Wien und machte ihn zu seinem Kabinettschef. 1969 installierte Klaus den nur 35-Jährigen als Unterrichtsminister und bis dahin jüngstes Regierungsmitglied der Zweiten Republik. Kein dreiviertel Jahr später kam der erste Karriereknick: Der Erdrutschsieg der SPÖ unter Bruno Kreisky am 1. März 1970 verbannte die machtverwöhnte ÖVP auf die Oppositionsbank und mit ihr auch die politische Nachwuchshoffnung Mock.

Chance für Machtwechsel

Die schwere Wahlniederlage der ÖVP 1979 brachte dem mittlerweile zum ÖAAB-Obmann (1971) und ÖVP-Klubchef (1978) aufgestiegenen Mock den Sprung an die Parteispitze und die Chance zum lang ersehnten Machtwechsel nach einem Jahrzehnt roter Alleinregierung.

Gemeinsam mit Generalsekretär Michael Graff initiierte er das nach wie vor erfolgreichste Volksbegehren gegen das Wiener Konferenzzentrum (1,36 Mio. Unterschriften), brach 1983 die Absolute der SPÖ und setzte 1986 Kurt Waldheim gegen alle Angriffe als Bundespräsidenten durch.

Für die nächste Nationalratswahl gaben die Umfragen der ÖVP gute Chancen, wieder Nummer eins zu werden – mit Mock als Bundeskanzler. Doch der 23. November 1986 bescherte dem VP-Chef seine bitterste Niederlage: Der Traum vom Machtwechsel zerschellte an der FPÖ, die ihren Stimmenanteil fast verdoppelte, und an den erstmals ins Parlament einziehenden Grünen. Die SPÖ blieb trotz deutlicher Verluste stärkste Partei.

Der Traum, den „Irrtum der Geschichte“ zu korrigieren und die SPÖ aus dem Kanzleramt zu drängen, war gescheitert. Zwar machte Mock als Außenminister und ÖVP-Ehrenobmann weiter, doch seine Popularität war verblasst.

Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Nationalrat 1999 blieb Mock politisch interessiert und erwies sich – stets begleitet von seiner Frau Edith, mit der er seit 1963 verheiratet war – als treuer Besucher von Parteiveranstaltungen, wenngleich diese in den letzten Jahren wegen seiner Parkinson-Erkrankung weniger wurden.

Wir verlieren mit ihm einen zutiefst verantwortungsbewussten Menschen, eine überzeugende Persönlichkeit, einen großen Österreicher und einen glühenden Europäer. Es ist ein großer Verlust für uns alle. 
               Sebastian Kurz, ÖVP

Wir verlieren mit ihm einen zutiefst verantwortungsbewussten Menschen, eine überzeugende Persönlichkeit, einen großen Österreicher und einen glühenden Europäer. Es ist ein großer Verlust für uns alle.

Sebastian Kurz, ÖVP

Ich bin tief betroffen. Mit Alois Mock ist ein großer Österreicher und ein glühender Verfechter eines geeinten Europas von uns gegangen. Ich verneige mich vor seinen Verdiensten für die Republik Österreich.  
               LH Markus Wallner

Ich bin tief betroffen. Mit Alois Mock ist ein großer Österreicher und ein glühender Verfechter eines geeinten Europas von uns gegangen. Ich verneige mich vor seinen Verdiensten für die Republik Österreich.

LH Markus Wallner

Einer der zuletzt seltenen Auftritte im Jahr 2014.
Einer der zuletzt seltenen
Auftritte im Jahr 2014.
Rückkehr nach erfolgreichen Beitrittsverhandlungen im März 1994.
Rückkehr nach erfolgreichen Beitrittsverhandlungen im März 1994.
Zu Gast in Vorarlberg: Bei den Festspielen 1999 mit Gattin Edith.
Zu Gast in Vorarlberg: Bei den
Festspielen 1999 mit Gattin Edith.
Am 27. Juni 1989 hatte Alois Mock gemeinsam mit dem ungarischen Außenminister Gyula Horn symbolisch ein Stück Eisernen Vorhang durchtrennt.
Am 27. Juni 1989 hatte Alois Mock gemeinsam mit dem ungarischen Außenminister Gyula Horn symbolisch ein Stück Eisernen Vorhang durchtrennt.

Zur Person

Alois Mock

langjähriger ÖVP-Parteichef und Außenminister

Geboren: 10. Juni 1934 in Euratsfeld (Niederösterreich)

Laufbahn: 1957 Promotion zum Juristen, ab 1958 Referent im Unterrichtsministerium, 1969 bis 1970 Unterrichtsminister, 1971 bis 1979 ÖAAB-Bundesobmann, 1979 bis 1989 ÖVP-Bundesparteichef; 1987 bis 1995 Außenminister

Familie: 53 Jahre mit Frau Edith verheiratet, kinderlos