Emirat Katar von Nachbarn isoliert

Politik / 05.06.2017 • 22:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Emirat Katar von Nachbarn isoliert

Eskalation am Golf. Arabische Staaten brechen Beziehungen zu Katar ab.

doha, riad. In der arabischen Welt kommt es zu einem folgenschweren Zerwürfnis: Wegen des Vorwurfs der Terrorismusunterstützung setzen mehrere benachbarte Staaten das Emirat Katar in einer konzertierten Aktion massiv unter Druck.

Saudi-Arabien, Ägypten, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain gaben am Montag bekannt, ihre diplomatischen Verbindungen zu Katar abzubrechen. Zudem kündigten sie an, alle Verkehrsverbindungen nach Katar einzustellen und den Luftraum für Flugzeuge des Landes zu schließen. Bürger aus dem Land hätten nun zwei Wochen Zeit, die drei anderen Golfstaaten zu verlassen.

Katar wies die Anschuldigungen als Lügen zurück und sprach von einer Kampagne zur Schwächung des Landes. Der saudi-arabische Erzrivale Iran sieht sich als eigentliches Ziel des Vorstoßes und die USA als Strippenzieher. Sowohl die Türkei, Russland als auch Iran riefen die Staaten auf, den Konflikt beizulegen.

Saudi-Arabien beschuldigt Katar, extremistische Organisationen wie die Muslimbruderschaft, den IS und Al-Kaida zu unterstützen und deren Botschaften zu verbreiten. Der Vorwurf richtet sich offenkundig insbesondere gegen den staatlichen Fernsehsender Al-Jazeera. Saudi-Arabien klagt Katar zudem an, Milizen mit Kontakten zum Erzrivalen Iran zu fördern. Die Kämpfer seien sowohl in der saudi-arabischen Region Katif aktiv, wo sich im Osten des sunnitisch geprägten Landes eine Hochburg der schiitischen Minderheit befindet, als auch in Bahrain.

Die Regierung Katars weist indessen die Vorwürfe einer Terrorunterstützung ebenso zurück wie Saudi-Arabien, das selbst auch immer wieder beschuldigt wird, radikal-islamische Gruppen im Ausland zu unterstützen.

Ökonomische Konsequenzen

Saudi-Arabien schloss das Land aus der Militärkoalition aus, die in Jemen gegen schiitische Rebellen kämpft. Die Houthi-Rebellen werden vom Iran unterstützt. Auch der Jemen und die Rebellen im Osten Libyens brach die Beziehungen zu Katar ab.

Katar drohen nun unmittelbar ökonomische Konsequenzen. Wichtige Fluggesellschaften wie Etihad und Emirates kündigten an, ab Dienstag alle Flüge von und nach Doha auf unbestimmte Zeit auszusetzen. Ägypten schloss den Luftraum für Flugzeuge aus Katar, was das Luftdrehkreuz Doha gefährden könnte, über das auch europäische Passagiere nach Asien fliegen.

Die Ankündigung der arabischen Staaten kommt nur wenige Tage nach dem Besuch von US-Präsident Donald Trump in Saudi-Arabien. Dort hatte er in einer Grundsatzrede vor zahlreichen Staats- und Regierungschefs die islamische Welt zum gemeinsamen Kampf gegen Terrorismus aufgerufen. In deutschen Regierungskreisen wurde danach die Befürchtung geäußert, dass Trumps Versuche, den Iran zu isolieren, zu verschärften Konflikten zwischen Schiiten und Sunniten führen könnten. US-Außenminister Rex Tillerson betonte nun, der Streit zwischen den Golf-Alliierten werde den Anti-Terror-Kampf nicht beeinträchtigen. Er rief die Verbündeten auf, ihre Differenzen beizulegen. In Katar befindet sich ein großer US-Militärstützpunkt.