„Bräuchten Energie für Inhalte“

Politik / 13.06.2017 • 22:26 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Wie werden Österreichs Schüler besser? Die Politik scheint andere Interessen zu haben. Foto: VN/Steurer
Wie werden Österreichs Schüler besser? Die Politik scheint andere Interessen zu haben. Foto: VN/Steurer

Bildungswissenschaftler Michael Schratz wünscht sich Schulentwicklung ohne Politik.

Schwarzach. Das Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung an der Universität Innsbruck und sein Dekan Prof. Dr. Michael Schratz (65) haben federführend am Forschungsprojekt „Schule der Zehn- bis 14-Jährigen in Vorarlberg“ mitgearbeitet. Für Schratz, einen gebürtigen Feldkircher, sind die politischen Turbulenzen rund um die Bildungsreform mit dem Schulautonomiepaket und der Modellregion Vorarlberg nicht nachvollziehbar. „Wir bräuchten die Energie für Inhalte, für die Weiterentwicklung von Schule. Statt dessen drehen wir uns im Kreis.“ Schratz, der als Bildungswissenschaftler in mehreren Ländern Erfahrungen sammeln konnte und die dortigen Bildungssysteme studierte, sieht Österrreich in einer Situation, „in der wir immer mehr in Rückstand geraten. Andere Systeme sind uns da einiges voraus“. Als aktuell beispielgebend für Schulentwicklungen nennt Schratz Kanada und Schottland.

Fehlender Mut

Der Erziehungswissenschaftler bedauert, dass sich die Aktivitäten in der Schulpolitik darin erschöpfen, „ideologische Standpunkte zu zementieren“. Laut Schratz wäre viel Potenzial da. „Das hat man gerade unlängst wieder anlässlich der Vergabe des Vorarlberger Schulpreises gesehen. Leider beschränken sich solche Leistungen auf Einzelaktionen und sind nicht Teil eines Systems“, merkt der Experte an. In Gesprächen mit Lehrern würde er immer wieder feststellen, dass diese mit Freude an einer besseren Schule arbeiten.

„Eine Öffnung auch in der politischen  Diskussion wird jedoch immer wieder dadurch verhindert, dass bestimmte Theman angstbehaftet sind. Wir haben bei uns ein antiquiertes Schulsystem. Doch im Gegensatz zu anderen Ländern fehlt bei uns der Mut zu Visionen.“ Große Vorteile in einer Modellregion Vorarlberg mit der gemeinsamen Schule als zentralem Schwerpunkt sieht der Direktor der Mittelschule Sulz-Rötzis, Erich Pfitscherer. „Die Trennung mit neuneinhalb Jahren kommt zu früh. Wir hätten bei einer gemeinsamen Schule natürlich mehr gute Schüler und in den Volksschulen würde kein Druck mehr auf Lehrer ausgeübt, Kindern gute Noten fürs Gymnasium zu geben.“ Kollege Gerd Neururer, Direktor der Mittelschule Rotkreuz in Lustenau, sieht die Dinge ähnlich.

„Wir brauchen in den Schulen Integration und nicht frühe Segregation. Kinder sollen doch möglichst lange dort in die Schule gehen dürfen, wo sie wohnen. Eine Bildungswegentscheidung mit neuneinhalb ist einfach zu früh.“ Aufmerksam beobachtet wird die Schuldiskussion auch an den Gymnasien.

Ulrich Sandholzer, Direktor des BG Rebberggasse Feldkirch: „Bei uns würde man die Modellregion wohl nur dann wollen, wenn sie für uns Verbesserungen bringt.“ Noch gebe es keinerlei Voraussetzungen für eine Abstimmung in der Schulgemeinschaft.

Andere Systeme sind uns mittlerweile einiges voraus.

Michael Schratz