(Un)willkommene Besucher

Politik / 25.06.2017 • 22:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Es ist ein Klassiker, der in vielen amerikanischen Hausfluren hängt: „Besucher bringen Freude ins Haus. Manche, wenn sie kommen. Und manche, wenn sie verschwinden.“

Die Deutschen können ein Lied davon singen: Vor ein paar Wochen kam Ex-Präsident Barack Obama nach Berlin und verzückte (wieder) die Nation. Anfang kommenden Monats steht dann US-Präsident Donald Trump zum Besuch der Hamburger G20-Gipfelkonferenz auf der deutschen Matte.

 

Der von saudischen Potentaten und Menschenrechtsverletzern hofierte US-Präsident wollte auch Brexit-Großbritannien heimsuchen. Und sich auf eigenen Wunsch von der dortigen Langzeit-Königin in der goldenen Kutsche durch die Hauptstadt an der Themse kutschieren lassen. Die per Wahl-Klatsche geschwächte Premierministerin Theresa May hatte den höfischem Klimbim zugeneigten Regenten am Potomac in glücksgefühligem Überschwang schließlich zum Staatsbesuch eingeladen. Doch daraus wird zumindest vorerst nichts. Nachdem sich Unmengen von „Ami raus“-Demonstranten auf nicht nur wettermäßig „heiße“ Hau-ab-Veranstaltungen vorbereiteten, bekam Trump kalte Füße und kabelte nach London: „Jetzt nicht, aber vielleicht später.“

 

Manchmal freuen sich Leute sogar, wenn Besuch erst gar nicht kommt. Wobei natürlich zu berücksichtigen ist, wer sich nun genau über Kommen, Weggehen oder Wegbleiben von Besuchern freut. Politiker im Allgemeinen und Regierungsvertreter im Besonderen urteilen oft nach ganz anderen Kriterien als Normalmenschen. Wobei sich am Rande die Frage stellt, was denn nun das Gegenteil eines „Normal“menschen ist. Denn da loben Regierungsvertreter lupenreiner Demokratien widerwärtige Despoten oft als „treue Freunde“ unserer Nation, hängen ihnen Orden um den Hals und liefern ihnen gelegentlich sogar Foltergerätschaften und Waffen für Unterdrückungsbürgerkriege, während das heimische Staatsvolk Ekel und Abscheu empfindet. Was die einen als Realpolitik deklarieren, finden die anderen zum Spucken.

 

Fragt sich auch, ob und wie viel Höflichkeit das gemeine Volk unerwünschten Besuchern entgegenbringen muss. Beim G20-Gipfel kommen ja etliche nicht nur gut beleumundete Vertreter ins Haus. Menschenrechteschinder aus dem Morgenland beispielsweise, ein Krim-Annektierer, ein Serienmorde im Krieg gegen Drogen goutierender südostasiatischer Premier, und wer weiß wer sonst noch alles.

Konzentrieren wir uns doch einfach auf Besucher, die fast alle gern kommen sehen: Den kanadischen Sunnyboy beispielsweise, den französischen Hoffnungsträger, das spanische Hochzeitspaar und bestimmt noch ein paar andere. Beim Rest freuen wir uns eben, wenn sie sich von unserem Acker machen oder uns nicht belästigen.

Regierungsvertreter urteilen über Besuche oft nach ganz anderen Kriterien als Normalmenschen.

Peter W. Schroeder, Washington