Lebensbund Burschenschaft

Politik / 31.01.2018 • 22:25 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Die Kritik seiner Burschenschaft an Wehrmachtsdeserteuren im Zweiten Weltkrieg erklärt Bösch damit, dass Desertion ein strafbares Delikt sei. VN/STEURER
Die Kritik seiner Burschenschaft an Wehrmachtsdeserteuren im Zweiten Weltkrieg erklärt Bösch damit, dass Desertion ein strafbares Delikt sei. VN/STEURER

FPÖ-Vorarlberg-Chef Bösch über den Wert der Verbindungen und was der deutsche Kulturraum für sie bedeutet.

Wien Das NS-Liederbuch der Burschenschaft Germania lenkt nahezu alle Aufmerksamkeit auf die umstrittenen Seilschaften. Der Vorarlberger FPÖ-Chef Reinhard Bösch erklärt den VN, warum er Burschenschafter wurde, wie sich diese veränderten, was hinter ihrem Bekenntnis zur „deutschen Kulturgemeinde“ steckt und wie er zu Wehrmachtsdeserteuren steht.

 

Die Regierung hat ein Auflösungsverfahren der Burschenschaft Germania eingeleitet. Gerechtfertigt?

Bösch Alle freiheitlichen Verbindungen in Österreich und ihre Mitglieder haben auf der Verfassung der Republik Österreich und ihrem Rechtssystem zu fußen. Wenn gegen das Gesetz verstoßen wurde und es zu Ermittlungen von Staatsanwaltschaften kommt, dann geht es den Lauf unseres Rechtssystems.

 

Ist ein Gesetzesverstoß Grund für eine Auflösung?

Bösch Es wird geprüft, in welcher Schwere hier Gesetzesverstöße vorliegen und wie das strafrechtlich zu bewerten ist.

 

Warum sind Sie Mitglied der Burschenschaft Teutonia geworden?

Bösch Eine Burschenschaft ist ein Lebensbund, bei dem Männer zusammenkommen, die einen gemeinsamen Grundkonsens finden. Dieser besteht im Erkennen der Werte des Eigenen: Familie, Land, gemeinsamer Staat, Sprachgruppe, Kulturraum.

 

Worauf bezieht sich das Bekenntnis der FPÖ und Ihrer Burschenschaft zur „deutschen Kulturgemeinde“?

Bösch Auf den Sprachraum. Er ist von Bedeutung, nicht nur kulturell, sondern auch wirtschaftlich. Wir müssen uns um ihn kümmern, wenn wir wollen, dass er auch in Zukunft besteht.

 

Und das Großdeutschtum?

Bösch Wenn wir von Deutschtum reden, hat das keine staatspolitischen Hintergründe mehr, wie das von der Mitte des 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts der Fall gewesen ist. Wir fußen auf der Verfassung der Republik Österreich.

 

Die Teutonia schreibt zum Beispiel: „Nicht ohne Ergriffenheit liest man heutzutage die Berichte vom Wartburgfest 1817, von dem Sehnen (…) nach dem einigen und einzigen Deutschland.“

Bösch Das ist eine historische Berichterstattung. In der Zeit der Romantik nach den napoleonischen Kriegen war das geeinte Deutsche eine Art Sehnsuchtsort der akademischen Jugend. Das sehen wir heute natürlich anders.

 

Braucht es eine Psychohygiene im dritten Lager?

Bösch Diese Psychohygiene geschieht laufend. Meine Burschenschaft hat sich von manchen Personen getrennt. Aus gutem Grund. 

Unter anderem von einer Gruppe um den verurteilten Gottfried Küssel . . .

Bösch Wir haben uns von Leuten getrennt, von denen wir annehmen, dass sie nicht zu den Grundsätzen der Verfassung der Republik Österreich stehen. Das wird laufend und überall stattfinden müssen. 

 

Die FPÖ will eine Historikerkommission einsetzen. Was könnte ihre Aufgabe sein?

Bösch Ich glaube, dass wir die Grundsätze, die ich anfangs genannt habe, festschreiben und das bekräftigen, was an sich eine Selbstverständlichkeit ist.

 

Ihre Burschenschaft nennt etwa als Grundsatz, „sich den selbstzerstörerischen Auswüchsen der heutigen Gesellschaft entgegenzustellen“. Was ist damit gemeint?

Bösch Wir haben darauf zu achten, dass Europa sich als Kulturraum seiner traditionellen Werte bewusst ist und auch bereit ist, diese zu verteidigen. Ich denke etwa an den Wert des eigenen Landes, die eigenen Bräuche, Sprache, Kultur oder an den Wert der Familie.

 

Kritik kam von der Teutonia auch schon an der Ehe gleichgeschlechtlicher Paare. Ist diese Ihrer Meinung nach ein solcher „Auswuchs“?

Bösch Sicherlich. Die Ehe für alle lehnen wir ab. Wir sind für die Toleranz der Homosexualität und für die Verpartnerung, halten aber eine Gleichsetzung von Ungleichem für falsch.

Die Teutonia übte auf einem Flugblatt offene Kritik an den Wehrmachtsdeserteuren im Zweiten Weltkrieg. War das richtig?

Bösch Desertion ist in jeder Armee ein strafbares Delikt. Das Verhalten, zu desertieren, halte ich daher grundsätzlich für nicht akzeptabel. Allerdings kann es gute Gründe dafür geben. Gerade in Bezug auf die Wehrmachtsjustiz, die viel katastrophale Maßnahmen gesetzt hat, ist jeder Einzelfall im Besonderen zu prüfen. Ich kann Desertion aber nicht generell entschuldigen, weil dieses Verhalten der Verantwortung widerspricht, die man für andere Menschen hat, in diesem Fall für andere Soldaten.

 

Auch in einer Unrechtsarmee?

Bösch Eine Unrechtsarmee sagen wir heute. Die damals Handelnden konnten das nicht erkennen.

 

Sehen Sie das Deserteursdenkmal immer noch kritisch?

Bösch Ich habe überhaupt kein Problem, wenn man der Opfer der nationalsozialistischen Militärjustiz gedenkt. Dort wurden viele Fehlurteile gefällt, es wurde katastrophal über das Ziel hinausgeschossen. Es kam noch nach der Kapitulation zu Hinrichtungen, was vollkommen indiskutabel ist. Mir geht es also nur um das Delikt der Desertion, das kann ich nicht akzeptieren.