Fünf Stunden Waffenruhe in Syrien

Politik / 26.02.2018 • 21:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Zerstörung in Syrien: Während in Ost-Ghuta der Krieg wütet, werden in Aleppo (Bild) Wiederaufbauprojekte geschmiedet.AP
Zerstörung in Syrien: Während in Ost-Ghuta der Krieg wütet, werden in Aleppo (Bild) Wiederaufbauprojekte geschmiedet.AP

Russland kündigt tägliche Feuerpause für Ost-Ghuta an.

Moskau Nach der wirkungslosen UN-Resolution über eine Waffenruhe in Syrien hat Russland eine mehrstündige tägliche Feuerpause für das Rebellengebiet Ost-Ghuta angekündigt. Von heute, Dienstag, an sollten die Waffen jeweils von
8 bis 13 Uhr schweigen, sagte Verteidigungsminister Sergej Schoigu in Moskau. Präsident Wladimir Putin habe zudem angeordnet, in der genannten Zeit einen Korridor zu öffnen, damit Zivilisten das belagerte Gebiet verlassen könnten.

Generalmajor Juri Jewtuschenko präsentierte am Montagabend Details der ersten Feuerpause. Sie soll in den Orten Duma und Irbin gelten. Zum Abtransport von Flüchtlingen stelle der syrische Rote Halbmond an dem humanitären Korridor Busse bereit, sagte Jewtuschenko. Für Verletzte gebe es Krankenwagen, in den Krankenhäusern von Damaskus würden zusätzliche Betten aufgestellt. UN-Sprecher Stéphane Dujarric sagte in New York, wenn alle Seiten die Feuerpause einhielten, könnten sofort Hilfslieferungen beginnen.

Russland reagiert mit der Maßnahme auf Kritik an dem schweren Bombardement auf Ost-Ghuta durch syrische Regierungstruppen. Moskau ist neben dem Iran der wichtigste Verbündete des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Syrische Aktivisten werfen der russischen Luftwaffe vor, an den Angriffen beteiligt zu sein.

Die heftigen Bombardierungen Ost-Ghutas gingen am Montag trotz der UN-Forderung nach einer Waffenruhe weiter. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, mindestens 22 Zivilisten seien getötet worden. Die lokale Gesundheitsbehörde des belagerten Gebiets und Aktivisten warfen den Regierungstruppen sogar einen Angriff mit Giftgas vor, bei dem ein Kind ums Leben gekommen sei. Rettungshelfer verbreiteten dramatische Bilder aus Ost-Ghuta.

Sowohl UN-Generalsekretär António Guterres als auch der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein, riefen die syrische Regierung auf, die Waffenruhe umgehend umzusetzen. „Es ist höchste Zeit, die Hölle auf Erden dort zu beenden“, sagte Guterres in Genf. Ost-Ghuta erlebt seit mehr als einer Woche eine der schlimmsten Angriffswellen seit Ausbruch des Bürgerkriegs vor fast sieben Jahren. Nach Angaben der Menschenrechtsbeobachter kamen in den vergangenen acht Tagen mehr als 550 Zivilisten ums Leben. 

Auch die Kämpfe zwischen türkischen Truppen und Kurden im Nordwesten Syriens gingen weiter. Protürkische Rebellen seien in der Region Afrin vorgerückt, meldete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Die Türkei bekämpft dort die Kurdenmiliz YPG. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte seinen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan auf, die türkische Offensive gegen die YPG zu stoppen.