Klarer Sieg für Platters ÖVP bei Tirol-Wahl

Politik / 25.02.2018 • 22:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Jubel im Innsbrucker Landhaus: Platter feierte mit Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) seinen Triumph. APA
Jubel im Innsbrucker Landhaus: Platter feierte mit Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) seinen Triumph. APA

FPÖ legt stark zu, bleibt aber hinter der SPÖ. Grüne mit Verlusten.

innsbruck Gewinner gab es bei der Tiroler Landtagswahl einige, doch einer strahlte am Sonntag übers ganze Gesicht: Landeshauptmann Günther Platter wurde mit seiner ÖVP eindrucksvoll bestätigt und legte um rund fünf Prozentpunkte auf 44,3 Prozent zu. Die vor der Wahl niedrig angesetzten 40 Prozent konnten deutlich übertroffen werden. Zum letzten Mal hat die ÖVP bei der Landtagswahl im Jahr 2003 zugelegt. Wie auch die SPÖ, die sich ebenfalls über ein zusätzliches Mandat und Zugewinne von 3,5 Prozentpunkten freuen darf. 

Neos ziehen in den Landtag ein

Mit 17,3 Prozent erreichten die Sozialdemokraten außerdem ihr zweites Wahlziel: Sie behaupteten sich vor den Freiheitlichen, die zwar mit 6,2 Prozentpunkten die höchsten Stimmenzuwächse verbuchen, aber mit 15,5 Prozent und einem Mandat mehr doch unter den Erwartungen bleiben. Die Grünen haben mit 10,7 Prozent (Minus 1,9 Prozent) die Zweistelligkeit gerettet und halten sich damit im beginnenden Koalitionspoker. Sie verlieren allerdings einen Landtags- und den Bundesratssitz. Die Neos ziehen erstmals mit zwei Mandaten in den Landtag ein, die Liste Fritz hält ihre beiden Sitze. Einmal mehr ernüchternd ist die Wahlbeteiligung, nur noch 60 Prozent der Wahlberechtigten gingen zu den Urnen.

Koalitionsspekulationen

Kaum lagen die Ergebnisse vor, drehte sich bereits alles um die künftigen Koalitionsvarianten. Platter kostete den Erfolg aus und sprach von einem sensationellen Ergebnis. Heute wird ihn der Parteivorstand mit Sondierungen beauftragen. „Ich werde rasch mit allen Parteien sprechen und die Inhalte ausloten“, sagte der Tiroler Landeshauptmann. ÖVP-intern hieß es gestern Abend, dass die Entscheidung wohl zwischen der Fortführung der schwarz-grünen Regierung und Schwarz-Rot fallen dürfte. Die FPÖ ist ohnehin nicht Platters bevorzugte Regierungsvariante. Dass die Blauen hinter der SPÖ blieben, erleichtert jetzt die weitere Vorgangsweise.

SPÖ, FPÖ und Grüne warten einmal auf einen Anruf Platters. Insgesamt schlüpfen die Sozialdemokraten immer mehr in die Rolle des Jolly Jokers. Parteivorsitzende Elisabeth Blanik ist jedenfalls für Gespräche bereit, „weil wir das Gestalten in unserer DNA haben“. Die runderneuerte neue Tiroler SPÖ habe die Trendwende geschafft. „Und das zählt.“

Dass es nicht Platz zwei geworden ist, bezeichnet FPÖ-Chef Markus Abwerzger als Wermutstropfen. „Ich warte jetzt einmal auf einen Anruf Platters“, hofft er nach wie vor auf Koalitionsgespräche. Inhaltlich gibt es mit dem Koalitionsprogramm auf Bundesebene – von Wirtschaft, über Soziales bis zur Sicherheit – wohl die größte Übereinstimmung.

Grüne atmen auf

Aufatmen heißt es bei den Grünen. Spitzenkandidatin Ingrid Felipe spricht von einem Achtungserfolg. Hat Schwarz-Grün noch Chancen? Kraftwerke, Natura 2000, Skigebietszusammenschluss Ötztal/Pitzal und Mindestsicherung: Verhandlungen mit den Grünen sind gespickt mit Hürden. Und natürlich kritisch beäugt vom Tiroler ÖVP-Wirtschafts- und  Bauernbund. „Wir können eine gute Regierungsbilanz vorweisen, doch der Landeshauptmann ist am Zug“, sagt Landeshauptmann-Stellvertreterin Felipe.

Mit den Neos könnte die ÖVP ebenfalls problemlos koalieren. Aber es darf bezweifelt werden, dass Platter auf Pink einschwenkt. Hinter dem personellen Angebot der Neos steht ein Fragezeichen. ÖVP, SPÖ und Grüne beraten bereits heute, der FPÖ-Parteivorstand tagt erst morgen. Spätestens am Mittwoch dürfte es erste Parteiengespräche geben. TT-Nindler

„Ich werde rasch mit allen Parteien sprechen und Inhalte ausloten.“