Afrin: Auf der Flucht

Politik / 18.03.2018 • 22:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Zivilisten bringen sich in Afrin-Stadt in Sicherheit vor den Kämpfen. AFP
Zivilisten bringen sich in Afrin-Stadt in Sicherheit vor den Kämpfen. AFP

In der Türkei wird großer Kurdenaufstand erwartet.

damaskus, ankara Aus Nordsyrien schleppen sich neue Flüchtlingsscharen heran: Schon gut eine Viertelmillion Menschen haben bereits Afrin verlassen, um sich vor dem Einfall der Türkei und ihrer syrischen Islamisten-Verbündeten zu retten. Lange hofften die Kurden, ihre Stadt wie 2014 das nordöstliche Kobane damals gegen die IS-Terrormiliz halten zu können. Doch den militärisch hoch gerüsteten Türken waren die Verteidiger von Afrin auf die Dauer nicht gewachsen: Nach zweimonatigem Widerstand begann zum Wochenanfang der Endkampf.

Syriens Kurden wurden und werden von aller Welt im Stich gelassen. Sogar das ihnen noch relativ wohlgesinnte Frankreich hat Ankara inzwischen in Afrin „legitime Sicherheitsinteressen“ zugebilligt. Deutsche Waffenproduzenten liefern sogar nach Beginn der türkischen Invasion kräftig an die Kriegsmaschine von Präsident Recep Tayyip Erdogan weiter. Auch das syrische Regime haben die Kurden vergeblich um Hilfe angerufen. Baschar al-Assad konzentriert sich weiter auf Rückeroberung der Ghouta bei Damaskus. Er verlässt sich darauf, dass sein Freund Wladimir Putin die Türken früher oder später aus dem Norden Syriens zurückpfeifen wird. Wie am Wochenende die inzwischen schon vierte Syrienkoferenz im kasachischen Astana nun vollends zeigte, hat sich die Türkei unter Erdogan vom einst geschätzten Nato-Partner zu einem nur mehr unzuverlässigen Verbündeten des Westens und nahöstlichem Erfüllungsgehilfen der russischen und iranischen Interessen degradiert.

So bleibt neben der Flucht aus Afrin und bald wohl auch aus östlicheren Gebieten nur mehr der Alleingang einer Flucht nach vorn in einen gesamtkurdischen Aufstand auch auf türkischem Boden: 30 Millionen Menschen sind schließlich keine Kleinigkeit, die auch den doppelt so vielen Türken zu schaffen machen werden. Beobachter in den Kurdengebieten der Türkei rechnen mit dieser Erhebung schon zum oder unmittelbar nach dem kurdischen Neujahrsfest Newroz noch vor Ende März. Erdogan setzt dagegen schon jetzt auf patriotischen Zusammenhalt aller Türken. Diplomaten in Ankara sehen darin die treibende Kraft hinter den jüngsten Liberalisierungsschritten in der Türkei wie der plötzlichen Freilassung eingekerkerter Journalisten,