Russland ortet Erpressung

Politik / 27.03.2018 • 22:38 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Eine russische Flagge flattert neben der US-Botschaft in Moskau. Die Beziehungen zwischen den Ländern sind derzeit frostig.  AFP
Eine russische Flagge flattert neben der US-Botschaft in Moskau. Die Beziehungen zwischen den Ländern sind derzeit frostig.  AFP

Nach massenhafter Ausweisung von Diplomaten kündigt Moskau Gegenreaktion an.

moskau, brüssel Russland macht die USA für die Ausweisung zahlreicher russischer Diplomaten aus westlichen Staaten verantwortlich. Die Maßnahme sei „Ergebnis des kolossalen Drucks, kolossaler Erpressung“, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag in der usbekischen Hauptstadt Taschkent. Ein solches Verhalten könne nicht unbeantwortet werden. Außenamtssprecherin Maria Sacharowa sagte der Deutschen Presse-Agentur, man sei bereits dabei, Maßnahmen als Antwort vorzubereiten.

Als Reaktion auf den Giftanschlag auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter Yulia im englischen Salisbury hatten mehr als 20 Staaten russische Diplomaten zur Ausreise aufgefordert. Allein die USA verwiesen 60 Russen des Landes und schlossen das Generalkonsulat in Seattle. Insgesamt sind über 140 russische Diplomaten von den Ausweisungen betroffen.

Nato beteiligt sich

Auch das nordatlantische Verteidigungsbündnis Nato beteiligte sich am Dienstag an der abgestimmten Aktion. Die Nato habe sieben Russen die Akkreditierung entzogen, weitere drei Akkreditierungsgesuche würden abgelehnt, sagte Generalsekretär Jens Stoltenberg in Brüssel. Die Bündnisstaaten beschlossen zudem, die Maximalgröße der russischen Delegation bei der Nato von 30 auf 20 Personen zu begrenzen. Man sende damit die „klare Botschaft an Russland, dass sein inakzeptables und gefährliches Verhalten mit Kosten und Konsequenzen verbunden ist“, sagte Stoltenberg.

Auch mehrere Mitgliedstaaten der Europäischen Union haben russische Staatsbürger ausgewiesen, darunter Deutschland, Frankreich, Italien, Tschechien, Polen, Dänemark und die Niederlande. Österreich ist nicht dabei. Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) erklärte, man werde weiterhin „alle Gesprächskanäle offenlassen.“ Ebenso wie Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hatte sie bereits am Montag mitgeteilt, dass Österreich keine russischen Diplomaten ausweisen werde.

London macht Moskau für das Attentat auf Skripal Anfang März verantwortlich. Auf dem EU-Gipfel der vergangenen Woche in Brüssel erklärten auch die 28 Staats- und Regierungschefs, dass „höchstwahrscheinlich“ Russland hinter der Tat stecke. Der britischen Regierung zufolge wurde das früher in der Sowjetunion entwickelte Nervengift Nowitschok eingesetzt. Der Ex-Agent und seine Tochter sind in einem kritischen Zustand. Nach den Worten der britischen Premierministerin Theresa May ist es möglich, dass sie sich niemals vollständig erholen werden. Großbritannien hatte bereits 23 russische Diplomaten des Landes verwiesen. Russland, das die Vorwürfe vehement zurückweist, reagierte mit der Ausweisung britischer Bürger. Derzeit untersuchen Experten der Organisation für das Verbot chemischer Waffen Proben vom Tatort.