Arbeiter fliegen auf die FPÖ

Politik / 29.04.2018 • 21:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
SPÖ-Chef Christian Kern spricht 2017 beim Mai-Aufmarsch in Wien. Immer weniger Arbeiter wählen rot.  APA
SPÖ-Chef Christian Kern spricht 2017 beim Mai-Aufmarsch in Wien. Immer weniger Arbeiter wählen rot.  APA

Zum 1. Mai: Sozialdemokraten bei einstiger Zielgruppe unten durch.

WIEN Der „Tag der Arbeit“ hat für die Sozialdemokratie einen bitteren Beigeschmack. Immer weniger Arbeiter wählen rot, immer mehr blau, also freiheitlich. Auch bei den Landtagswahlen in diesem Jahr hat sich dieser Trend fortgesetzt: In Niederösterreich, Tirol, Kärnten und Salzburg konnten die Parteikollegen von Vizekanzler Heinz-Christian Strache ihren Stimmenanteil zum Teil massiv ausweiten. Laut der Wahltagsbefragungen des Sozialforschungsinstituts SORA kamen sie in dieser Gruppe durchwegs auf 40 Prozent und mehr. Einzig in Kärnten ist die SPÖ mit 39 Prozent daran herangekommen, sonst blieb sie überall deutlich darunter.

Laut Statistik Austria sinkt die Zahl der Arbeiter kontinuierlich; in den vergangenen 20 Jahren beispielsweise von 1,2 auf nur noch etwas mehr als eine Million. Bei den Befragungen handelt es sich um eine Selbstzuschreibung, wie SORA-Chef Günther Ogris erklärt. Vom Boden- bis zum Neusiedlersee ergebe sich dort meist ein Anteil von rund elf Prozent.

Deutlich pessimistischer

Was Arbeiter zur FPÖ zieht? Die Wahltagsbefragungen lassen Rückschlüsse darauf zu: „Auffallend ist, dass sie die bisherige Regierungsarbeit eher als schlecht beurteilen und dass sie deutlich pessimistischer sind, was ihre eigene und die Zukunft ihrer Kinder betrifft“, berichtet Ogris: „Außerdem muss man berücksichtigen, dass viele in den vergangenen Jahren einen Reallohnverlust erlitten haben.“

Die FPÖ versteht es am besten, davon zu profitieren: „Es gelingt ihr, das Ungerechtigkeitsempfinden, das vorhanden ist, kulturell aufzuladen und zu sagen, die Ausländer seien schuld daran“, so Ogris: „Das ist eine Überzeugung, die relativ weit fortgeschritten ist.“

Die Sozialdemokratie ist bei Arbeitern zwar zunehmend chancenlos, ihre Lage ist aber nicht ganz aussichtslos: Zunächst einmal hätten vor allem die Jüngeren ohnehin nie die SPÖ gewählt, wie der Sozialforscher erläutert: „Das sind schon die Kinder der Jörg-Haider-Wähler.“ Zum anderen gibt es immer weniger Arbeiter und immer mehr höher qualifizierte Angestellte.

In Wien extrem

Ganz extrem ist das offensichtlich im einst roten Wien: Dort zählen sich laut Ogris überhaupt nur noch sieben Prozent der befragten Wähler zur Arbeiterschaft. Auf der anderen Seite haben bereits 60 Prozent der unter 40-jährigen Wahlberechtigten einen Maturaabschluss. Bei ihnen habe die SPÖ zuletzt stärker zugelegt, womit sie Verluste bei den Arbeitern zum Teil nicht nur wettmachen konnte; in Wien legte die Partei von Ex-Kanzler Christian Kern bei der letzten Nationalratswahl sogar um 2,8 Prozentpunkte zu, während sie österreichweit stagnierte. JOH